Impressionen zu "Was, wenn doch? DAS junge Zukunftsfestival"
„Was, wenn doch?" – Rückblick auf DAS junge Zukunftsfestival
Am 21. August 2026 verwandelte sich das Innovation Lab der Zahnen Technik GmbH in Üttfeld in einen Ort für Austausch, Diskurs und gemeinsames Gestalten: Unter dem Titel „Was, wenn doch? DAS junge Zukunftsfestival" brachte die Zukunftsinitiative Rheinland-Pfalz (ZIRP) e.V. gemeinsam mit dem ZIRP-Mitglied Zahnen Technik, der Arbeitgebermarke Eifel sowie zahlreichen weiteren Unternehmen der Region erstmals ein Zukunftsfestival speziell für junge Menschen im ländlichen Raum auf die Bühne. Über 130 Dualstudierende, Auszubildende, junge Mitarbeitende sowie Schülerinnen und Schüler kamen zusammen, um gemeinsam über Zukunftsfragen zu diskutieren, Neues auszuprobieren und sich zu vernetzen.
Ausgangspunkt für das Format war der ZIRP-Kongress „Wir 2045" im Jahr 2024, bei dem die stärkere Einbeziehung junger Menschen – insbesondere abseits der Ballungsräume – als zentrales Anliegen identifiziert wurde. Besonders bemerkenswert: Das Programm wurde maßgeblich von jungen Menschen der Region mitgestaltet. In einem Workshop im Herbst 2025 konnten sie benennen, was sie sich an einem solchen Tag wünschen – zahlreiche dieser Ideen fanden sich im Programm wieder.
Durch den Tag führte Moderatorin Milena Neumes, die den Geist der Veranstaltung so zusammenfasste: „Selbstwirksamkeit, Empowerment, Vernetzung – für diese Dinge steht das Zukunftsfestival und die Frage ‚Was, wenn doch?'. Ein Tag, der sich den Themen, Fragen, Sorgen, aber auch Hoffnungen junger Menschen widmet und praktische Tools an die Hand gibt, um das eigene Leben und die Gesellschaft aktiv zu gestalten."
Ab 9.30 Uhr füllte sich das Innovation Lab von Zahnen Technik mit über 130 jungen Menschen aus Unternehmen, Schulen und Berufsschulen der gesamten Eifel-Region. Um 10.00 Uhr eröffnete Milena Neumes offiziell den Tag und stimmte die Teilnehmenden auf das vielfältige Programm ein.
Auftakt: „Jetzt erst recht! – Politische Teilhabe in Zeiten der Desillusionierung"
Den inhaltlichen Auftakt machte Jan Schipmann, Politikjournalist und Redaktionsleiter Politik bei der Berliner Produktionsfirma Hyperbole, bekannt unter anderem für das ARD/ZDF-Politikformat „DIE DA OBEN!". In seinem Impuls sprach er über die Hürden, denen junge Menschen im politischen Diskurs heute begegnen, und ermutigte dazu, sich trotz vielfältiger Krisen politisch einzubringen. Sein Fazit blieb den Teilnehmenden im Kopf: „Die Zukunft von Deutschland liegt nicht nur in der Großstadt, sondern auch in den Kleinstädten und Dörfern des Landes. Auch hier leben enorm kluge junge Menschen, deren Entwicklung und Perspektive mitgedacht werden muss. Auch hier braucht es Angebote für politische Bildung und persönliches Empowerment – es lohnt sich."
Der Vormittag: Von KI über “Machen auf dem Land” bis hin zu Selbstwirksamkeit als junge Erwachsene
Im Workshop des Europahauses Marienberg unter Leitung von Ronja Lindenberg drehte sich alles um die Frage, welche Werte jungen Menschen beim Thema Künstliche Intelligenz wirklich wichtig sind. In einem interaktiven Format aus Diskussion, Entscheidung und spielerischer „Versteigerung" mussten die Teilnehmenden Prioritäten setzen und ihren Standpunkt zu Freiheit, Gerechtigkeit, Transparenz und Sicherheit klar machen – und erlebten dabei, wie kontrovers und persönlich die Frage nach dem Zusammenleben mit intelligenten Maschinen sein kann.
Philipp Hauser vom jungen ARD-Angebot DASDING, selbst wohnhaft in einem 1.000-Seelen-Dorf in Baden-Württemberg, nahm die Teilnehmenden mit auf eine Reise durch die Chancen des ländlichen Raums. Aus seiner eigenen Arbeit für Formate wie dem TikTok-Projekt „sag_mal" (funk) berichtete er, wie junge Menschen auch abseits der Großstadt etwas bewegen und sichtbar machen können – ein Impuls, der bei den vielen Teilnehmenden aus kleineren Orten der Eifel besonders gut ankam.
Autorin und Generation-Z-Expertin Ronja Ebeling zeigte in ihrer Keynote, warum Unsicherheit auf dem eigenen Weg völlig normal ist, wie Selbstwirksamkeit entsteht und weshalb viele junge Menschen mehr können, als sie sich selbst zutrauen. Ehrlich, motivierend und nah an der Lebensrealität von Ausbildung, Alltag und Zukunft, traf ihr Beitrag den Nerv vieler Teilnehmender.
Der Mittag mit Kickboxen, Upcycling und Cocktails
Unter Anleitung von Andreas Zelasny, Schwarzgurt im Kickboxen, erlebten die Teilnehmenden ein lockeres Bewegungsprogramm mit Elementen aus Boxen und Kickboxen. Zelasny selbst zeigte sich im Nachgang beeindruckt vom Engagement der jungen Generation: „Danke an die ZIRP für das tolle Festival. Es war beruhigend zu sehen, mit wieviel Einsatz die Jugend dabei war. Solche Veranstaltungen führen dazu, dass man auch in Zukunft noch sagen kann: Früher war alles besser."
In der Mitmach-Werkstatt von Klotz&Quer aus der Mainzer Neustadt gestalteten die Teilnehmenden individuelle Schmuckstücke aus besonderen Materialien wie Fassdauben ehemaliger Eichenholzfässer oder farbig geschichteten Skateboard-Hölzern. Ganz ohne Vorkenntnisse entstanden – unterstützt vom Team vor Ort – einzigartige Ohrringe, Ketten und Armbänder zum Selberbehalten oder Verschenken.
Das Team von 11th Floor Trier entführte die Teilnehmenden in die Welt hochwertiger alkoholfreier Cocktails. In lockerer Atmosphäre mixten die Gäste unter fachkundiger Anleitung eigene Signature Drinks und lernten dabei Zutaten, Techniken und Kombinationen kennen. Carlo Reinhard von 11th Floor brachte den Geist des Workshops – und des ganzen Tages – auf den Punkt: „Die Zukunft ist ein bisschen wie ein Cocktail: Die richtigen Zutaten sind wichtig – aber am Ende kommt es darauf an, was man selbst daraus macht."
Der Nachmittag: Von Nachhaltigkeit, dem Miteinander-Tun, Debattieren und Zuhören
Im „Game of Life" des Europahauses Marienberg, konzipiert und begleitet von Ronja Lindenberg und Paula Lacerda, tauchten die Teilnehmenden in die Welt der Spieltheorie ein und erlebten hautnah, wie Wettbewerb Gruppendynamiken prägt.
Ronja Lindenberg zog nach dem Workshop ein positives Fazit: „Als Workshopleitung hat es mich besonders gefreut zu sehen, mit wie viel Engagement, Offenheit und Interesse die jungen Menschen dabei waren. Das ZIRP-Festival hat nicht nur richtig Spaß gemacht, sondern bietet jungen Erwachsenen auch eine tolle Möglichkeit, neue Perspektiven zu entdecken, miteinander ins Gespräch zu kommen und sich aktiv mit gesellschaftlichen und beruflichen Zukunftsfragen auseinanderzusetzen."
Auch Paula Lacerda war von den Gesprächen mit den Teilnehmenden beeindruckt: Sie habe es als sehr bereichernd empfunden, mit den jungen Menschen in Kontakt zu kommen und zu hören, was ihnen wichtig ist – von Sorgen um Sicherheit bis hin zum Wunsch nach mehr Zusammenarbeit. Besonders in Erinnerung geblieben ist ihr ein Teilnehmer aus dem Krankenhausbereich, der im Workshop reflektierte, wie zentral Kooperation im Berufsalltag ist: Oft seien Menschen zu sehr auf ihren eigenen Bereich fokussiert, ohne zu erkennen, dass alle auf dasselbe Ziel hinarbeiten – eine Erkenntnis, die ihn habe motivieren können, in Zukunft enger mit seinen Kolleginnen und Kollegen zusammenzuarbeiten.
Yasmina Steck, Projektkoordinatorin und Moderatorin bei Mehr Demokratie e.V., eröffnete mit „Sprechen & Zuhören" einen besonderen Dialograum zur Frage, wie man mit Menschen umgeht, die anders denken als man selbst. Es ging nicht darum, Recht zu haben oder andere zu überzeugen, sondern um persönliche Erfahrungen, unterschiedliche Perspektiven und echte Begegnung – ein ruhiger Kontrapunkt zum trubeligen Festivaltag.
Rhetorik-Trainer Nico Bosler, 2014 selbst im Bundesfinale von Jugend debattiert, stellte im Debattierkurs die Debatte als demokratisches Handwerkszeug vor: Wie lässt sich eine Diskussion so führen, dass am Ende ein Erkenntnisgewinn steht statt nur Rechthaberei? Nach dem Festival zeigte sich Bosler beeindruckt vom Engagement der Teilnehmenden: „Das große Interesse der jungen Erwachsenen an politischen Themen und den eigenen Möglichkeiten der Partizipation erweckt Optimismus für die Zukunft! Menschen miteinander zu kontroversen Themen ins Gespräch zu bringen, ist der beste Weg gegen eine Spaltung unserer Gesellschaft."
Die Feldhecke GmbH aus Rheinhessen, spezialisiert auf naturnahen Garten- und Biotopbau sowie ökologische Bildungsarbeit, leitete den Bau von Miniatur-Gärten an: In einer Holzkiste entstand Schicht für Schicht ein funktionierendes Trittsteinbiotop mit Wildblumenwiese, Sandarium und Staudenbeet – zum Mitnehmen für Balkon, Terrasse oder Fensterbank. Ein praktischer, hautnaher Einstieg ins Thema Biodiversität und Klimaresilienz.
Musik, Chillout, Games und Foodtrends am Abend
Nach der gemeinsamen Abschlussrunde um 17.00 Uhr ging das Festival nahtlos in den Abend über: Die Band Rock On sorgte mit einer energiegeladenen Mischung aus Rock, Pop und aktuellen Chart-Hits für Live-Atmosphäre. Dazu gab es Foodtruck, Drinks, Gaming und eine Chillout-Area – ein bunter Ausklang für einen Tag voller neuer Perspektiven, Begegnungen und Ideen.
Mit über 130 Teilnehmenden, einem von jungen Menschen mitgestalteten Programm und viel positivem Feedback ist „Was, wenn doch?" als neues Format für die ZIRP geglückt. Die Rückmeldungen aus den Workshops machen deutlich, dass das Format genau den Nerv der jungen Generation in der Eifel getroffen hat – zwischen politischem Diskurs, praktischen Fähigkeiten, Bewegung und echten Begegnungen abseits des Alltags.
Im kommenden Jahr zieht das Festival weiter in die Pfalz, wo eine zweite Ausgabe geplant ist. Unternehmen, die Interesse haben, ihre Mitarbeitenden künftig am Zukunftsfestival teilhaben zu lassen, können sich an die zuständige Projektleiterin Judith Drewke wenden.