Die Panels des dritten Nachhaltigkeitskongresses der ZIRP vom 9. März 2017

Die Diskussionsergebnisse des dritten Nachhaltigkeitskongresses der ZIRP "Investition & Return: Mehrwert durch Nachhaltigkeit" haben wir in der Ausgabe Nr. 33 der ZEHN.MINUTEN veröffentlicht. Im Rahmen des Kongresses konnten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Anschluss an drei Impulsvorträge einem von drei parallelen Panels anschließen. Hier wurde anhand von Beispielen nachhaltiger Unternehmensführung zu Investitionen, Personalpolitik und Berichterstattung der unternehmerische Mehrwert am praktischen Vorbild verdeutlicht.

 

Entega-Panel: Investition in Mitarbeiter – Investition in das Unternehmen

 

Für alle Beteiligten des Entega-Panels war schnell klar: Investitionen in die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter lohnen sich! Dies beinhalte jedoch nicht nur direkte Investitionen in die Menschen durch Weiterbildungs- und Qualifizierungsmaßnahmen oder die Förderung von Mitarbeiter-Start ups, sondern auch indirektere Aufwendungen in das Arbeitsumfeld. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die sich wohlfühlen, seien auch motivierter, sagte Stephanie Gabler von der Werner & Mertz GmbH: „Dabei ist es wichtig, Tradition und Moderne zu verbinden, um alle mitzunehmen“. Als Beispiele nannte sie verstellbare Schreibtische, Büroinseln und die Möglichkeit, draußen zu arbeiten. Dennis Stolze, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bereich Workspace Innovation am Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation, hob hervor, dass die Kernkompetenzen der Zukunft Intuition, Kreativität und Emotion seien. Dafür brauchten die Menschen mehr Freiraum zum Arbeiten. „Im Home Office gibt es für jede Tätigkeit und Gefühlslage eine andere, passende Arbeitssituation, mal sitzt man auf dem Balkon oder am Esstisch. Dies sollte auch auf das Büro übertragen werden“. Beim Thema Nachwuchsarbeit präsentierte Harald Düster, Leiter der kaufmännischen Verwaltung der Sebapharma GmbH & Co.KG, das Modell des Berufsorientierungscamp: Sie bot in Kooperation mit 39 weiteren Unternehmen in den Ferien eine mehrtägige Informationsveranstaltung in Kombination mit Freizeitangeboten für 250 Schülerinnen und Schüler an. Dabei standen die 120 verschiedenen Berufsbilder und nicht die einzelnen Firmen im Vordergrund. Zudem erhielten die Auszubildenden die Möglichkeit eines Auslandspraktikums. „Es gibt viele verschiedene Möglichkeiten, die eigene Arbeitgeberattraktivität zu fördern“, erläuterte er. Marcel Wolsing von der ENTEGA AG sprach die Investition in Führungskräfte an: Sie müssten mit gutem Vorbild vorangehen und Werte wie Nachhaltigkeit vorleben, was durch Coachings vermittelt werden könne. Bei der Kommunikation der eigenen Nachhaltigkeitsaspekte sei es wichtig, diese sowohl nach außen als auch nach innen zu bewerben.

 

ISB-Panel: Nachhaltigkeit als Investitionsfaktor

 

Nachhaltigkeit ist in der Bankenbranche angekommen, das stellten die Diskutanten des ISB-Panels fest. Dabei wies Sibylle Schwalie, Bereichsleiterin Bürgschaften und Investitionszuschüsse der ISB, darauf hin, dass dies „für manche Banken per se, für andere weniger deutlich relevant ist. Allerdings betrifft es jedes Unternehmen spätestens bei der Mitarbeiterfrage. Bewusst oder unbewusst spielt Nachhaltigkeit somit eine wichtige Rolle bei Entscheidung zu Finanzierung, Förderung und Beratung“. Philipp Rühle, Director Research Services bei der oekom research AG, stimmte zu: Mittlerweile berücksichtigten alle Großbanken und Institutionen ihre nachhaltigkeitsbezogenen Ratings als Entscheidungshilfe. Finanzielle Vorteile erziele nachhaltiges Wirtschaften durch die Kosteneinsparung aufgrund von Risikominimierung, einer positiven Reputation bei Kunden und Partnern und einer größeren Mitarbeiterzufriedenheit. Josef Schnitzbauer, Regionalleiter der Frankfurter Filiale der GLS Gemeinschaftsbank eG, erläuterte die eigene, bewusste Nachhaltigkeitsausrichtung. Demnach betreibe die Bank in erster Linie nicht Gewinnmaximierung, sondern die Sinnhaftigkeit der Projekte stehe im Vordergrund. Kundinnen und Kunden lenkten das wirtschaftliche Vorgehen aktiv mit, in dem sie für ihre Anlagen eine Zweckbestimmung festlegen könnten. Sollte aus wirtschaftlicher Perspektive eine Finanzierung einmal nicht möglich sein, dann versuche man kreative Lösungen wie Crowdfunding zu finden oder das eigene Stiftungskapital zu verwenden, wenn der Nutzen für die Gesellschaft gegeben sei. „Das kommt bei den Kundinnen und Kunden gut an. Die Menschen haben verstanden, dass sie für ihr Geld selbst Verantwortung übernehmen können und müssen“, sagte Schnitzbauer. Sibylle Schwalie gab – aus der praktischen Erfahrung der ISB – zu bedenken, dass gerade kleineren Unternehmen Nachhaltigkeitsaspekte noch nicht bewusst seien. Hier könne die ISB mit ihrem Beratungs- und Förderungsangebot ansetzen. „Wenn das Unternehmen an sich gut läuft, dann kenne ich keinen Fall, in dem sich ein nachhaltiger Unternehmensumbau nicht finanzieren ließe“.

 

KPMG-Panel: Nachhaltigkeitsreporting – Chancen und Trends

 

Ab diesem Geschäftsjahr gilt die EU-Berichtspflicht zu nichtfinanziellen Nachhaltigkeitsaspekten für Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern; europaweit betrifft dies etwa 6.000 Unternehmen. Allgemein bewerteten die Referentinnen und Referenten des KPMG-Panels dies eher als Chance für Unternehmen. Voraussetzung hierfür sei jedoch, dass die Berichterstattung auch in die Unternehmenssteuerung übergehe, sagte Professor Dr. René Schmidpeter von der Cologne Business School: „Da es verschiedene Nachhaltigkeitskonzepte gibt, kann anhand der regelmäßigen Berichterstattung geprüft werden, welches für das eigene Unternehmen wettbewerbsfähig ist“. Simone Fischer, Partner, Head of Sustainability Services Deutschland und Audit der KPMG AG, unterstrich: „Der Report dient in erster Linie als Bestandsaufnahme für das Unternehmen”. Es sei somit wichtig, den Report nicht allein zur Erfüllung der Berichtspflicht zu verfassen, sondern ihn zur Entwicklung der eigenen Nachhaltigkeitsstrategie und zur regelmäßigen Kontrolle zu nutzen. Reporting-Standards wie der Deutsche Nachhaltigkeitskodex oder jener der Global Reporting Initiative können dabei helfen, „ein Gefühl für relevante Themen zu erhalten. Das Unternehmen ist dann jedoch frei in der Themenwahl und kann je nach Schwerpunktsetzung die eigene Marke nachhaltig aufladen“, erklärte Stefan Kauß, Abteilungsleiter Nachhaltigkeit/Sicherheit bei der Bitburger Braugruppe GmbH, die bereits seit 2013 ein Reporting veröffentlicht. Neben einem größeren Erkenntnisgewinn für das Unternehmen hob Simone Fischer als qualitativen Mehrwert hervor, dass ein Nachhaltigkeitsreporting, welches die unternehmerische Nachhaltigkeitsstrategie transparent mache, zu einer größeren Attraktivität und Glaubwürdigkeit bei Kundinnen und Kunden, Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, Nichtregierungsorganisationen und Wirtschaftsprüfern sowie jungen Fachkräften führe.

 

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