Am 4. Tag unserer Reise durch Israel haben wir drei Kibbuzim besucht; allesamt unter dem Aspekt, wie sie in einer Wüste mit den Themen Wasser und Nachhaltigkeit umgehen. Den Anfang machte der Besuch beim Kibbuz Ketura. Einer der Bewohner ist Yuvel, er ist vor sechs Jahren mit seiner Frau in den Kibbuz gekommen und führt Besuchergruppen durch die Anlage. Die Gemeinschaft steht auf drei finanziellen Standbeinen. Zum einen haben sie dort eine mehrere Hektar große Solaranlage aufgebaut, an der der Kibbuz mittlerweile nur noch 20 Prozent hält, der Rest gehört internationalen Investoren. An dieser Anlage ist bemerkenswert, dass sie im Gegensatz zu herkömmlichen Solaranlagen nicht von Hand gesäubert wird, sondern von Maschinen. Laut unserem Tour-Guide ist das um ein Vielfaches effizienter, weil es nicht einmal im Monat passiert, sondern jeden Abend und nur 45 Minuten dauert. Der Wirkungsgrad der Photovoltaikanlage liegt bei 11 bis 13%.@Reinigungsroboter vom 1. Kibbuz Ketura solar field

Wo die Anlage heute das in der Wüste fast unerschöpfliche Sonnenlicht in Energie umwandelt, haben früher Kühe geweidet, sofern man das bei dem trockenen Boden überhaupt so nennen kann. Aber die Gemeinschaft hat sich dafür entschieden, den Stall und die über 500 Kühe vor zwei Jahren wieder abzuschaffen, um in modernere Einkommensmöglichkeiten zu investieren. Das zweite moderne Projekt der Gemeinschaft ist eine Algenanlage. Sie dient dazu, aus Algen Pulver zu gewinnen, das gewinnbringend an Kunden aus der Kosmetikbranche verkauft wird, unter anderem in Japan, den USA und natürlich in Europa. Zu unserem Erstaunen kann ein einziges Kilo dieses Pulvers im Verkauf zwischen zehn und fünfzehntausend Dollar erwirtschaften. Der Kibbuz profitiert allerdings nicht nur in Form einer 20-prozentigen Beteiligung an der Firma, sondern auch über die Miete, die er für den Standort erhält. Außerdem bietet die Anlage etwa 15 Dorfbewohner eine Anstellung und damit ein festes Einkommen. Insgesamt produziert die Firma nach eigenen Angaben rund 10 Tonnen des Algenpulvers im Jahr. Das kommt uns allerdings etwas übertrieben vor, denn wenn nur ein Kilo mindestens 10.000 Euro wert sein soll, würde es sich hierbei um eine extrem profitable Produktion handeln. Was uns schwer fällt zu glauben. Trotzdem eine sehr beeindruckende Anlage und ein Beweis dafür, dass man in der Wüste mit Unternehmergeist und guten Ideen durchaus eine gute Einnahmequelle und gut funktionierende Firma auf die Beine stellen kann.

Rund 40% der Bewohner arbeiten nicht im Kibbuz selbst, sondern in Eilat oder sogar teilweise in Tel Aviv. Jedes Gehalt geht in den großen Gemeinschaftstopf, aus dem alle laufenden Kosten der Bewohner bezahlt werden. Außerdem bekommt jeder erwachsene Bewohner rund 400 Dollar im Monat als eine Art persönliches Versorgungsgeld und ein 13. Monatsgehalt. Kinder des Kibbuz bekommen mit den Erträgen der Gemeinschaft einen Bachelor-Studiengang finanziert, wenn sie das entsprechende Alter erreicht haben. Der Gedanke der Gleichheit wird unter anderem dadurch praktiziert, dass keiner der Bewohner einen privaten PKW besitzt, sondern sich aus der Gemeinschaftsflotte bedienen kann.

Der zweite Kibbuz-Besuch hat uns deutlich weniger beeindruckt. Uns wurde gleich am Anfang ein "Plumpsklo" gezeigt, in dem Bakterien Erde "erzeugen". Sehr interessant, aber auch nicht wirklich neu und ziemlich geruchsintensiv für uns Besucher. Im Anschluss daran zeigte uns Marc, unser Tour-Guide, eine Anlage für vor allem junge Amerikaner oder Europäer, die ein Jahr im Kibbuz verbringen wollen. Sie wohnen dort in runden Lehmbauten und achten sehr auf die Nachhaltigkeit ihres Verhaltens. Zum Beispiel steht dort ein Sonnenofen, der allein durch die Hitze der Sonneneinstrahlung Wasser zum Kochen bringen kann. Die jungen Besucher sollen dort offensichtlich zur Nachhaltigkeit und zu einem bewussten Umgang mit Ressourcen erzogen werden. Zu unserer Überraschung war es aber im konventionellen Teil des Kibbuz nicht besonders ausgeprägt mit der Nachhaltigkeit. Dort wohnt keiner in afrikanisch anmutenden Lehmbauten und auf der Toilette muss man die Fäkalien auch nicht mit Bakterien entsorgen, sondern wie üblich mit 7-9 Liter Wasser. Die Überraschung über die Diskrepanz zwischen dem Nachhaltigkeitskonzept und der Realität des Dorflebens fand bei unserem Mittagessen ihren Höhepunkt. Nach einem Imbiss im Gemeinschaftshaus durften wir unseren Plastik- und Papp-Müll, also Teller, Gabeln und Becher, ungetrennt in eine große Tonne werfen. Begründung: damit solle Wasser gespart werden. Das hat uns nicht wirklich überzeugt.

Vom dritten Besuch bleibt nur ein Turm in Erinnerung, der der Kühlung von Gebäuden dient. Dabei wird der Wind in 15 Metern Höhe durch trichterähnliche Vorrichtungen eingefangen, durch Wasser gekühlt und dann in die Tiefe geleitet, wo er verschiedene Zimmer des Gebäudes mit kühler Luft versorgt und in den Sommermonaten für angenehme Temperaturen sorgt.

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