Morgens hatten wir ein Gespräch mit Ohad Carny, einem Vertreter des Israelischen Umweltministerium. Uns wurden nochmal die Lage in Israel dargestellt und welche großen Probleme es gibt. So werden pro Person und pro Tag 1,7 kg Müll in Israel produziert. Um das ganze anschaulicher darzustellen, wurde uns erklärt, dass dieser Müll auf ein Jahr hochgerechnet 185 Fußballstadien 10 m hoch mit Müll füllen könnten. Es gibt sehr wenige Regelungen im Bereich Umweltrecht in Israel.

Lucien fragte Ohad Carny warum wir in Israel noch keine Elektroautos gesehen haben und an was es liegt das obwohl die Bedingungen so hervorragend sind. Kurze Wege da Israel die Größe von Hessen hat und somit die geringe Reichweite der E-Autos hier keine Rolle spielen dürfte. Sonneneinstrahlung selbst im Winter die zum Betreiben der Elektro Fahrzeuge dienlich sein könnte. Carny meinte es würde an dem gescheiterten Projekt von Shai Agassi liegen. Dieser versuchte vor über 10 Jahren mit dem Projekt „better Place“ ein System zu etablieren, dass Elektro-PKWs erlaubt, binnen Minuten an gewissen Stellen die Batterie zu wechseln.
Doch das Projekt scheiterte. Nach gerade mal sechs Jahren war 2013 Schluss für „better Place“. Agassi legte 2012 sein Amt nieder und das Unternehmen musste am 26. Mai 2013 in Israel einen Insolvenzantrag stellen, um eine geordnete Abwicklung einzuleiten, nachdem letzte Finanzierungsgespräche gescheitert waren. Ohad meinte, durch das Scheitern von „better Place“ wäre es zu einem sehr großen Vertrauensverlust in der Bevölkerung Israels gekommen, sodass die Elektromobilität momentan schlechte Chancen hat.

Danach ging es direkt weiter zur Heinrich-Böll-Stiftung. Nach einem kurzen Überblick über die Arbeit der Heinrich-Böll-Stiftung in Israel ging es gleich thematisch los. Vor allem die aktuelle politische Lage und Entwicklung wurde uns noch mal sehr gut erklärt. Die Israelische Politik entwickle sich immer mehr nach rechts. Aufgrund des Demographischen Wandels innerhalb der Israelischen Gesellschaft gäbe es immer weniger säkulare Juden und immer mehr ultraorthodoxe Juden. Auch sei die Partei „National Religious Jewish Home“, eine Siedlerpartei auf dem Vormarsch. Dies sei die einzige Partei die ein ideologisches Konzept habe und auch die Zwei-Staaten-Lösung klar in ihrem Programm ablehne. Innerhalb der Israelischen Gesellschaft gäbe es keine Kommunikation der verschiedene Teile der Gesellschaft. Jeder lebe in seiner eigenen „Bubble“, so gäbe es drei verschiedene Schulsysteme, ein arabisches, ein jüdisches, und eines für die ultraorthodoxen Juden. Auch die Wohnviertel sind klar geteilt. Durch dieses System kommt es zu einer Teilung der Gesellschaft.@Synagoge in Tel Aviv

Nach diesem sehr spannenden Gespräch gab es einen Roundtable mit Vertretern verschiedener Umwelt-NGOs.Später ging es weiter mit einer kleinen Stadtführung durch Tel Aviv. Deren Schwerpunkte waren vor allem die vielen Bauhaus-Gebäude, die sich in Tel Aviv befinden.

Abends stand dann einer unserer letzter Programpunkte an. Eine Gesprächsrunde mit David Witzthum, der uns nochmal einen sehr guten Überblick über Israel und die Einordnung Israels im Nahen Osten gab. Auch über die politische Lage würde ausführlich gesprochen. Es war ein sehr beeindruckendes Gespräch und ein sehr guter Abschluss der Bildungsinhalte auf dieser Reise. Der morgige letzte Tag hatte nur noch touristische Punkte auf dem Programm stehen.

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