Die zentralen Ergebnisse des diesjährigen Konjunkturausblickes lauten: Steigende US-Zinsen und zugespitzte Handelskonflikte drosseln den für Deutschland so wichtigen Welthandel; zudem erschweren politische Unsicherheiten wie der Brexit wirtschaftliche Planung und Investition.

Die Zukunftsinitiative Rheinland-Pfalz (ZIRP) e.V. hatte gemeinsam mit der Boehringer Ingelheim Deutschland GmbH, der Deutschen Bank AG und dem Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW) gestern Abend zur Veranstaltung „Konjunkturausblick 2019“ bei Boehringer Ingelheim eingeladen. Stefan Schneider, Experte der Deutsche Bank Research in Frankfurt, analysierte aktuelle wirtschaftliche Entwicklungen. Prof. Dr. Thomas König von der Universität Mannheim ordnete die derzeitigen politischen Entwicklungen in Europa ein.

„Gerade in Zeiten einer weltweiten Konjunkturabkühlung und einer verhaltenen Wachstumsprognose für Deutschland ist es wichtig, die zugrundeliegenden Faktoren zu verstehen. Die Experten unserer Veranstaltung geben mit ihren Analysen wesentliche Einblicke in die Hintergründe“, sagte Dr. Sabine Nikolaus, Gastgeberin und Vorsitzende der Geschäftsführung der Boehringer Ingelheim Deutschland GmbH, in ihrem Grußwort.

Stefan Schneider, Chief International Economist and Head of Macro Trends der Deutsche Bank Research, berichtete, dass internationale Organisationen derzeit erwarteten, dass sich das globale Wirtschaftswachstum auf seinen Durchschnitt der letzten 20 Jahre bei rund 3,5 Prozent einpendeln und damit nur leicht verlangsamen werde. „Allerdings haben die Unsicherheiten zuletzt deutlich zugenommen: Zum Beispiel durch den Handelskonflikt zwischen den USA und China, die Abschwächung der Konjunktur in China und Asien insgesamt und speziell für Europa das Risiko eines harten Brexit.“ Dies treffe, so Schneider weiter, die starke, in die Weltwirtschaft integrierte deutsche Wirtschaft besonders hart. Daher sei der kräftige Rückgang des ifo Index der letzten Monate wenig überraschend. „Wir haben deshalb unsere Prognose für das deutsche BIP-Wachstum auf 1 Prozent reduziert – ein halbes Prozent weniger im Vergleich zum Vorjahr. Zwar erwarten wir keine Rezession, können diese aber auch nicht mehr ausschließen.“

Auch Prof. Dr. Thomas König von der Universität Mannheim verwies auf die globale Unsicherheit und analysierte die deutsche Situation in diesen politischen Krisenzeiten. „Eigentlich sind in Deutschland die Voraussetzungen, den aktuellen Herausforderungen zu begegnen, gut: positive Firmenbilanzen, niedrige Arbeitslosigkeit und hohe Steuereinnahmen mit Haushaltsüberschüssen“, erklärte König. Dennoch zeichne sich für die kommenden Wahlen ab, dass sich die Unsicherheit auch hierzulande eher erhöhen wird: „Es ist zu befürchten, dass die Wahlen zum Europäischen Parlament und anschließend den zumeist ostdeutschen Ländern durch eine Polarisierung gekennzeichnet sein werden, die unser Parteiendemokratiemodell in Frage stellt. An den Rändern des Parteienspektrums mobilisieren anti-integrationistische Kräfte die Massen, während sich die etablierten Parteien pro-integrationistisch positionieren.“

Am jährlich stattfindenden Konjunkturausblick nahmen in diesem Jahr etwa 250 Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft teil. Traditionell fand der Konjunkturausblick in den Räumlichkeiten von Boehringer Ingelheim statt.

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