Mentoring als Instrument zur Fachkräftesicherung

Mit Mentoring als einem Instrument zur Fachkräftesicherung befasste sich die Zukunftsinitiative Rheinland-Pfalz e.V. (ZIRP) im Rahmen ihrer Veranstaltung „ZIRP um 12“ am 8. Mai in Mainz. Die Veranstaltung war eine Kooperation mit dem Mentoring-Programm des Ada-Lovelace-Projekts (ALP) der Johannes Gutenberg-Universität (JGU). Ziel war, Mentoring-Programme vorzustellen und konkret für das ALP neue Mentorinnen und Mentoren aus rheinland-pfälzischen Unternehmen zu gewinnen. Als Heike Arend, Geschäftsführerin der ZIRP, die rund 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Haus des deutschen Weines in Mainz begrüßte, freute sie sich, dass bereits in den Gesprächen vor Beginn der Veranstaltung potenzielle Mentorinnen und Mentoren gewonnen werden konnten.

Rollenbilder bereits in der Schule aufbrechen
Irene Alt, Ministerin für Integration, Familie, Kinder, Jugend und Frauen, betonte in ihrem Grußwort die Relevanz von Mentoring als Instrument der Personalentwicklung. Die Ministerin verwies insbesondere auf den Demografischen Wandel und den damit verbundenen Fachkräftemangel. Verstärkt gut ausgebildete Frauen zu fördern, sei ein geeigneter Weg zur frühzeitigen Nachwuchsgewinnung. Die Landesregierung gehe mit ihrem eigenen Mentoring-Programm „Mehr Frauen an die Spitze!“ als Vorbild voran. Das Mentoring-Programm für Nachwuchswissenschaftlerinnen in MINT-Fächern an der JGU lobte die Ministerin als Best-Practice-Beispiel. Langfristig müssten Rollenbilder allerdings bereits in der Schule aufgebrochen werden.

„Mentoring wirkt!“
Unter dem Motto „Was ich will, das kann ich!“ engagieren sich seit 1997 im Ada-Lovelace-Projekt Studentinnen und seit 2000 auch Auszubildende als Mentorinnen, um Schülerinnen in Rheinland-Pfalz zu einem MINT-Studium oder einer Ausbildung in Handwerk und Industrie zu motivieren. Seit 2008 gibt es an der JGU das bislang einzige ALP-Mentoring-Programm für Nachwuchswissenschaftlerinnen aus MINT-Fächern. Projektleiterin Heike Ettischer gab in ihrem Impulsvortrag Einblicke in die Struktur und Ziele des Programms. Mittlerweile sei ein Netzwerk aus etwa 40 zumeist promovierten Mentorinnen und Mentoren aufgebaut, die eine Führungsposition erreicht haben und ihr Wissen und ihre Erfahrungen an Mentees weitergeben wollen. In einem hierarchiefreien und vertrauensvollen Austausch werden die Mentees in ihrer beruflichen Entwicklung unterstützt und erhalten Einblicke in Unternehmen. Begleitend nehmen sie während ihres 12-monatigen Trainings an Workshops und Veranstaltungen teil, in denen sie ihre Schlüsselkompetenzen erweiterten und sich auf die berufliche Karriere vorbereiten können. Während die Anzahl weiblicher Studienanfänger in MINT-Fächern gut sei, liege die Zahl der Frauen, die sich für eine Promotion entscheiden, weit hinter der Zahl der männlichen Kollegen zurück. Für viele Frauen stelle sich vor allem die Frage der Vereinbarkeit von Karriere und Familie, so Ettischer. Mit authentischen Erfahrungsberichten der Mentorinnen und Mentoren helfe das Mentoring-Programm dabei, individuelle und innovative Lösungsmodelle für diese und weitere Fragen zu finden. Die Evaluation des Programms durch das Zentrum für Qualitätssicherung und –entwicklung (ZQ) der JGU habe gezeigt: „Mentoring wirkt! Die befragten Nachwuchswissenschaftlerinnen sind sich dank des Mentorings in ihren Zielen sicherer geworden und fühlen sich darin bestärkt, diese auch zu verfolgen.“

Mentorin-Mentee-Tandem Kerstin Malzahn (Mentee) und Dr. Silke Kramkowski (Mentorin) mit Heike Ettischer

Vorteile für Mentees und Mentoren
Dass Mentoring tatsächlich wirkt und für beide Seiten Vorteile mit sich bringt, zeigte das von Heike Ettischer moderierte Gespräch mit dem Mentorin-Mentee-Tandem Dr. Silke Kramkowski (Mentorin) und Kerstin Malzahn (Mentee). Dr. Kramkowski (Procter & Gamble Service GmbH) berichtete, dass sie sich vor allem aus Neugier als Mentorin zur Verfügung gestellt hatte. Nach 17 Jahren im Beruf habe sie einfach Interesse daran gehabt, zu erfahren, was sich an der Uni verändert hat. Doktorandin Kerstin Malzahn (Max-Planck-Institut für Polymerforschung) habe sich wegen der guten Erfahrungen beworben, die sie selbst als Mentorin in dem Programm für Schülerinnen gemacht hatte. Dort habe sie gemerkt, dass es oftmals die Antworten auf vermeintlich einfache Fragen sind, die Mentees auf ihrem Weg sehr viel weiterbringen. So habe auch sie vor allem bei Alltags- und Bewerbungsfragen von dem Austausch mit ihrer Mentorin profitiert. Über den Kontakt zu ihrer Mentee berichtete Dr. Kramkowski, dass sie häufig per E-Mail und Telefon kommuniziert haben. Hinzu kamen persönliche Treffen – bei Bedarf auch mal kurzfristig. Nach dem persönlichen Aha-Erlebnis befragt, antwortete Mentee Kerstin Malzahn, dass für sie das Gesamtkonzept des Programms ein Aha-Erlebnis sei. Für Dr. Kramkowski sei es besonders erfüllend gewesen, wenn sie in Bewerbungsprozessen gemerkt habe, dass ihre Unterstützung der Mentee tatsächlich auf ihrem beruflichen Weg hilft. Zudem habe sie durch den Austausch mit Kerstin Malzahn ihre „Altersscheuklappen“ verloren.

Mehr als Spezialistinnen – Absolventinnen auf dem Weg in den Beruf
Professor Dr. Holger Frey, Dekan des Fachbereichs 09: Chemie, Pharmazie und Geowissenschaften der JGU, bekannte sich gleich zu Beginn seines Vortrags dazu, ein großer Fan des ALP zu sein. „Mentoring bietet die extrem wertvolle Möglichkeit, an der Erfahrung anderer zu antizipieren.“ Als Vater von  zwei Kindern im Alter von 6 bis 13 Jahren wisse er, dass die volle Berufstätigkeit beider Elternteile nur dann funktioniert, wenn sich beide die Frage stellen, wie Familie und Beruf vereinbar sind und gemeinsam Lösungen finden. Die Wichtigkeit von Mentoring sieht Professor Dr. Frey insbesondere darin, dass die Absolventinnen auf eine Tätigkeit nach der universitären Ausbildung vorbereitet werden. Impulse seitens der Mentorinnen und Mentoren könnten Mentees beispielsweise dazu motivieren eine neue Sprache zu lernen und so den Weg für eine internationale Karriere zu ebnen.

Professor Holger Frey

„Mentoring sollte standardmäßig zu jeder Ausbildung gehören“
Erwartungen der Unternehmen an Berufsanfänger thematisierte Monika Garske, Regionsleiterin Firmenkunden Rheinland-Pfalz/Saar/Wiesbaden der Deutschen Bank AG. Als Einsteiger sollte man eine hohe Leistungsbereitschaft mitbringen und auch mal die eine oder andere „Extra-Meile“ zurücklegen. Neben Teamfähigkeit sei Flexibilität sowohl auf Arbeitnehmer- als auch auf Arbeitgeber-Seite gefragt, um sich an die gewandelten Lebens- und Arbeitswelten anpassen zu können. Garske betonte zudem, dass insbesondere im Dienstleistungsbereich neben fachlichen Qualifikationen soziale und emotionale Kompetenzen wichtig sind. Indem viele Frauen denken, sie haben nur 90 statt 100 Prozent der geforderten Fähigkeiten, bauen sie sich selbst das größte Hindernis auf ihrem beruflichen Weg. Angesichts einer neuen Stelle fragen sie sich viel häufiger als Männer, ob sie der Aufgabe gewachsen sind. Da der Austausch mit Vorgesetzen aus dem eignen Unternehmen nicht immer unproblematisch sei, biete insbesondere ein Mentoring-Programm wie das des ALP die Möglichkeit, außerhalb des eigenen Unternehmens offen über Probleme zu reden und Fragen zu stellen. Zwar zahle sich Mentoring für alle Beteiligten langfristig aus, die Teilnahme stelle für die Mentees aber keine Garantie auf eine höhere Stelle dar. Als Fazit forderte Monika Garske: „Mentoring sollte standardmäßig zu jeder Ausbildung gehören.“

Monika Garske, Regionsleiterin Firmenkunden, Deutschen Bank AG

In ihrem Schlusswort bedankte sich Heike Arend bei allen Mitwirkenden für ihre interessanten Beiträge zum Thema Mentoring und lud zu weiteren Gesprächen bei einem gemeinsamen Mittagessen ein. Bereits zum zweiten Mal richtete die ZIRP das innovative Veranstaltungsformat „ZIRP um 12“ aus, bei dem aktuelle Themen mit der Mittagspause der Teilnehmerinnen und Teilnehmer verbunden werden.

Heike Arend, Geschäftsführerin ZIRP

Mentorinnen und Mentees bei ZIRP um 12

Ministerin Irene Alt

Fotos: Jürgen  Hofmann


Kontakt:
Heike Ettischer, Projektleitung Mentoring für Nachwuchswissenschaftlerinnen in MINT-Fächern
Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Tel.: 0 61 31 - 39-25876
Fax: 0 61 31 - 39 24 698
www.ada-lovelace.com/mainz/absolventinnen

Anschrift:
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Ada-Lovelace-Projekt
Johann-Joachim-Becher Weg 14
55128 Mainz

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