Die Energiewende als Innovationstreiber

Zum Auftakt des Projektes "Technologien der Zukunft" trafen sich am 21. Januar im Casino der Pfalzwerke AG in Ludwigshafen Vertreter aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft, um über "die Energiewende als Innovationstreiber" und die technologischen und unternehmerischen Potenziale der Energiewende zu diskutieren. Bei der Veranstaltung stellten Technologieunternehmen, Energieversorger, Anlagenbauer und junge Unternehmen aus der Pfalz  ihre Geschäftsmodelle und ihren innovativen Beitrag zur Energieerzeugung und Energieeinsparung, für innovative Produkte und Dienstleistungen vor.

In Vorträgen und Talkrunden, moderiert von Werner Eckert vom SWR, zeigte sich, dass die Energiewende, ungeachtet der großen Herausforderungen an die Unternehmen im Land auch Chancen, gerade bei technologischen Innovationen, eröffnet. "Die Gestaltung der Energiewende heißt nichts anderes, als unser gesamtes Energiesystem umzubauen – weg von fossilen Brennstoffen und Kernenergie hin zu einem Energiemix inklusive erneuerbarer Energien und mehr Energieeffizienz. Das wird nur gelingen, wenn alle an einem Strang ziehen. Die Energiewende braucht gesellschaftliche Akzeptanz und darf die internationale Wettbewerbsfähigkeit unserer Wirtschaft nicht gefährden", so Margret Suckale, Vorsitzende der ZIRP und Mitglied im Vorstand der BASF SE.

Eveline Lemke, Ministerin für Wirtschaft, Klimaschutz, Energie und Landesplanung,  Dr. Peter Eckerle, Geschäftsführer StoREgio Energiespeichersysteme e.V., Werner Eckert, SWR, Prof. Dr. Oliver Frör, Leiter der Arbeitsgruppe Umweltökonomie, Universität Koblenz-Landau, und Margret Suckale. Mitglied des Vorstands der BASF SE, Vorsitzende der ZIRP

Ein Beispiel für eine ambitionierte und gleichzeitig rentable Strategie in der Umsetzung der Energiewende lieferte René Chassein, Gastgeber der Veranstaltung und Mitglied des Vorstandes der Pfalzwerke AG. "Für die Pfalzwerke", so Chassein, "hat die Energiewende nicht 2011, sondern vor über zwanzig Jahren begonnen. Die Pfalzwerke, als moderner Energieversorger, spielen eine wichtige Rolle, gerade im Bereich energielogistischer Aufgaben, wenn es darum gehe, auf volatile Einspeisung und immer flexiblere Nachfrage zu reagieren und zur Systemstabilisierung beizutragen"

Rheinland-Pfalz als Standort für Grüne Technologie: Große Chancen – unter den richtigen Rahmenbedingungen

In der ersten Talkrunde zum Thema "Mit GreenTech zum innovativen Wirtschaftsstandort" fiel das Schlaglicht auf die Entwicklungen im gesamten Land.

Eveline Lemke, Dr. Peter Eckerle und Werner Eckert

Als eine der zentralen Technologien für den Umstieg auf Erneuerbare Energien übernehmen leistungsfähige Energiespeicher eine tragende Rolle. Expertise hierzu lieferte der Geschäftsführer des StoREgio Energiespeichersysteme e.V., Dr. Peter Eckerle: "Immer mehr Speichersysteme werden bald den Status als Prototyp verlassen und Marktreife erlangen – damit rücken konkrete Anwendungen und Geschäftsmodelle in den Vordergrund. Diese Entwicklung birgt ganz neue Herausforderungen." Diese beständen jenseits technologischer Fragen in der Entwicklung wirtschaftlich tragfähiger Geschäftsmodelle, die im Wettbewerb bestehen können. Professor Oliver Frör, Leiter der Arbeitsgruppe Umweltökonomie an der Universität Landau, sagte mit Blick auf die Wettbewerbsfähigkeit deutscher und rheinland-pfälzischer Unternehmen: "aus wissenschaftlicher Sicht ist klar, dass auf gesamtgesellschaftlicher Ebene durch die Energiewende ein starker Innovationsschub erfolgt, bzw. erfolgen wird, der die Wirtschaft insgesamt konkurrenzfähiger und damit zukunftssicher machen wird." Natürlich würden viele Unternehmen deutlich belastet, und es werde Gewinner und Verlierer geben. "Insgesamt", betonte Frör, "überwiegen aber die Chancen deutlich gegenüber den Risiken."

Werner Eckert, Prof. Dr. Oliver Frör und Margret Suckale

Auch aus aktuellem Anlass bot sich hier die Gelegenheit auf die gerade vorgestellten Pläne von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel zur Energiepolitik einzugehen und die gesetzlichen Rahmenbedingungen zu diskutieren. Die Diskutanten waren sich einig, dass nur unter den richtigen regulatorischen Vorgaben die Energiewende auch wirtschaftlich sinnvoll umgesetzt werden kann. "Nur wenn die Anreize vom Gesetzgeber so ausgerichtet werden, dass Investitionen langfristig planbar sind und betriebswirtschaftlich vernünftig getätigt werden können, ist es für Unternehmen sinnvoll und möglich, ihren nötigen Beitrag zur Energiewende zu leisten", sagte Margret Suckale.
Genau diese Planungssicherheit sowie eine hohe Preisstabilität beschrieb Wirtschaftsministerin Eveline Lemke als wichtige Bausteine der Energiepolitik der rheinland-pfälzischen Landesregierung und tragende Säulen der Energiewende. Sie betonte dabei "wirtschaftlicher Erfolg und Umwelt- und Klimaschutz schließen sich keineswegs aus." Die Umwelttechnik, besonders im Bereich der Erneuerbaren Energien und der Energieeffizienz, habe sich dabei gerade in Rheinland-Pfalz in den letzten Jahren zu einer Industrie mit beeindruckenden Wachstumsraten entwickelt. Ziel sei es nun, diesen auch im nationalen Vergleich starken Trend fortzuführen.

Junge Unternehmen stellen sich vor: Innovation aus Rheinland-Pfalz

Mit dem Energie-Dienstleister REE-Mix und dem Automobilteilehersteller vancom stellten sich zwei junge Unternehmen mit Sitz in der Pfalz vor, deren Kerngeschäft sich in direktem Zusammenhang mit der

Energiewende bewegt.Vancom entwickelt technische Lösungen für die Elektromobilität. Vor allem Innovationen im Bereich des bidirektionalen Ladens, dem Be- und Entladen von Elektrofahrzeugen in Form entsprechender Schnittstellen sind Ziel des Unternehmens. "Die Technologie ist derzeit noch relativ weit von der Marktreife entfernt, dennoch sind wir überzeugt, dass sie zum Tragen kommen wird", sagte Michael Zeyen, geschäftsführender Gesellschafter der vancom GmbH. "Die Elektromobilität wird kommen und gleichzeitig wird das Auto als kurzfristig verfügbarer Energiespeicher bei der Stabilisierung des zukünftigen Energiesystems eine tragende Rolle spielen."

Michael Zeyen

REE-Mix, eine Ausgründung der Universität Koblenz Landau, unterstützt Unternehmen und Kommunen bei der Erarbeitung und Umsetzung ihrer Strategien zur Energiewende, indem es mittels Analyse räumlicher Daten mögliche Standpunkte für regenerative Energieerzeugung ermittelt, Einsparungspotenziale aufdeckt und gesamte Umsetzungskonzepte entwickelt. Geschäftsführer Dr. David Elsaesser sagte: "Unser Geschäft steht in direktem Zusammenhang mit der Energiewende und wir helfen unseren Kunden die anstehenden Herausforderungen zu bewältigen." Dabei hänge der Erfolg des Unternehmens maßgeblich von stabilen Bedingen für die Energiewende ab, die die nötige Sicherheit vermitteln: "Unser System ist anpassbar, unsere Kunden nicht."

Dr. David Elsaesser


Unternehmen Energiewende: Großes Potenzial und Knowhow

In der zweiten Talkrunde unter dem Titel "Unternehmen gestalten die Energiewende" wurde deutlich, dass Unternehmen aus Rheinland-Pfalz dazu beitragen, wirtschaftlich und ökologisch nachhaltige Technologien und Geschäftsmodelle zu entwickeln.

Thomas Kübler, Geschäftsführer der Kübler GmbH, Werner Eckert und René Chassein, Gastgeber der Veranstaltung und Mitglied des Vorstandes der Pfalzwerke AG.

René Chassein bezog sich hier unter anderem auf die von den Pfalzwerken betriebene Geothermieanlage in Landau, mit der bereits heute über 6000 Haushalte mit Strom versorgt werden können. Gerade hier werden die Innovationsimpulse deutlich, die von der Energiewende ausgehen. Denn obwohl es sich bei der Geothermie um eine marktreife Technologie handelt, sagte Chassein, biete die Anlage die Möglichkeit zur ständigen Verbesserung Weiterentwicklung: „Da steckt natürlich jede Menge F&E drin, aber es ist klar, dass sich diese Investitionen auszahlen“.
Am Beitrag von Thomas Kübler, dem Geschäftsführer der Kübler GmbH, Hersteller besonders energieeffizienter Hallenheizungen, wurde besonders deutlich, dass es selbst bei einem per se auf Energieersparnis, Effizienz und Nachhaltigkeit ausgerichteten Produkt, betriebswirtschaftliche Überlegungen nicht ohne weiteres mit den Erfordernissen der Energiewende übereinstimmen: "Es spielt für den Kunden vorrangig eine Rolle, ob und wann sich die Investition in ein Produkt rechnet. Die ökonomische Einschätzung entscheidet zum großen Teil über die Investition."

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