In der Veranstaltungsreihe "Starke Wirtschaft – Starke Regionen" trafen sich am 24. Oktober 2013 Akteure aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik im Kulturzentrum Kapuzinerkloster in Cochem zu einer Tagung der Zukunftsinitiative Rheinland Pfalz (ZIRP) mit dem Schwerpunkt "Infrastruktur". Im Mittelpunkt standen die speziellen Anforderungen des ländlichen Raumes und die Entwicklungslinien  der Breitbandinfrastruktur in Rheinland-Pfalz.

Manfred Schnur, Landrat des Landkreises Cochem-Zell, hob bereits zu Beginn die besondere Bedeutung von Infrastrukturmaßnahmen für die Attraktivität von Städten und Gemeinden hervor. Besonders ländlich gelegene Gebiete sind vom sich gegenseitig verstärkenden demografischen Wandel und der Urbanisierung betroffen. Um die Zu- und Abwanderung positiv zu beeinflussen und den ländlichen Raum als attraktiven Ort zum Leben und Arbeiten zu erhalten, bedürfe es einer modernen Gestaltung dieser Gebiete. Dabei sei eine der  vordringlichsten Herausforderungen der  Ausbau der Kindertagesstätten und des Internetzugangs. Für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, die digitale Vernetzung der Wirtschaft und die im Landkreis starke Tourismuswirtschaft sei die Breitbandversorgung von besonderer Bedeutung. Aber: "2 Mbit sind eine Dorfstraße, die Zukunft sind 50 Mbit Datenautobahnen!" Die Breitband-Infrastrukturgesellschaft Cochem-Zell (BIG) sei vor diesem Hintergrund auf Initiative von Bürgermeistern, Landrat und Stadtverwaltungen "als lokale Bewegung von unten" gegründet worden und strebt die vollständige digitale Erschließung des gesamten Landkreises bis 2015 an.

Manfred Schnur

In den anschließenden Paneldiskussionen wurde das Thema vertieft. Im Panel "Breitband & Co" präsentierten Helmut Berscheid, Abteilungsleiter Kreisentwicklung/Wirtschaftsförderung des Eifelkreises Bitburg/Prüm, Fritz Kohl, Bürgermeister der Ortsgemeinde Bruch, und Andreas Pung, Wirtschaftsförderung Vordereifel, gelungene digitale Infrastrukturprojekte. Die Referenten waren sich darin einig, dass es "kein Breitband von der Stange" gebe. Viele Gemeinden sind räumlich stark zergliedert, durch ihre Größe wirtschaftlich nicht relevant oder als "weiße Flecken zu weit vom nächsten Netzknoten entfernt".

Helmut Berscheid, Fritz Kohl und Andreas Pung

Jede Gemeinde müsse daher ihre Kabelstruktur lokal prüfen und technologieoffen planen, um eine gangbare Lösung zu finden. Synergieeffekte zwischen verschiedenen Gemeinden sowie die Nutzung lateraler Infrastruktur würden viele Investitionen ermöglichen, die sonst unbezahlbar wären. So könnten etwa Glasfaserkabel durch Wasserleitungen oder Kanäle geführt werden und geplante Erd- und Bauarbeiten der kostengünstigen Erweiterung des Kabelnetzes dienen. Übergangstechnologien, wie etwa Funknetze oder die Nutzung der vorhandenen Kupferkabel des Telefonnetzes, seien zudem ein guter Weg, um auch entlegene Gebiete zeitnah digital zu erschließen. Auch die Ideen und das (finanzielle) Engagement der Bürger vor Ort entscheiden über den Erfolg: "Die Gemeinschaft muss es wollen!" Das Breitbandprojektbüro des Ministeriums des Innern, für Sport und Infrastruktur berate bei zusätzliche Fördermitteln.


Sandra Heckenberger


Im Panel "Regionale Infrastruktur: Die Attraktivität der Region erhalten" diskutierten Sandra Heckenberger, Bereichsleitung Regionalentwicklung der entra GmbH, und Rainer Zeimentz, Geschäftsführer der Projektentwicklungsgesellschaft des Landes Rheinland-Pfalz (PER). Dabei ging es um die Fragen, welche Bedeutung der Infrastruktur für Unternehmen und Kommunen in ländlichen Regionen heute zukommt und wie sich diese Bedeutung durch den demografischen Wandel verändert. Deutlich wurde, dass der ländliche Raum  viele Chancen bietet, die  erkannt und genutzt werden müssen.


Sandra Heckenberger und Rainer Zeimentz

Die Vielfalt der Ansätze zur Gestaltung der Infrastruktur, in die finanzielle Engpässe, die demografische Entwicklung, Bürgerbeteiligung, sich ändernde Rahmenbedingungen und neuartige Mobilitätskonzepte einfließen, fordere die Entscheider immer wieder heraus. Der ländliche Raum stehe immer wieder vor der Frage: "Wie kommen die Menschen zur Arbeit und wie kommt die Arbeit zu den Menschen?" Diese Verschränkung von Arbeit und Leben mache zudem eine neue Art des Denkens notwendig.

Heike Arend, Geschäftsführerin der ZIRP, betonte im Anschluss, dass eine moderne und funktionierende digitale Infrastruktur Basis für Wohlstand und Wachstum sei und in Zeiten des demografischen Wandels die Lebensqualität aller Generationen sichern könne.

Heike Arend, Geschäftsführerin der ZIRP

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