Im Mittelpunkt der Themenveranstaltung der Reihe „Starke Wirtschaft – Starke Regionen“, dieses Mal in Gerolstein stand am 20 März 2014 die „Bildung“, vor allem die duale Ausbildung, das Duale Studium und Optionen der Weiterbildung im Unternehmen. Dabei wurden insbesondere die Perspektiven für den ländlichen Raum hervorgehoben und die Bedeutung der Bildungsinfrastruktur für die Sicherung des Fachkräftenachwuchses. Joachim Schwarz, Geschäftsführer der Gerolsteiner Brunnen GmbH & Co. KG, begrüßte die gut 80 Vertreter aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft. Er machte auf die Bedeutung der dualen Ausbildung für sein Unternehmen aufmerksam. Neben der Sicherung des Fachkräftebedarfs nannte er auch die Infrastruktur, vor allem eine gute Netzversorgung, als wichtig für seinen Standort. Herr Schwarz plädierte für die Kooperation der beteiligten Akteure im Bereich Bildung und für die Bündelung von Ressourcen.

Bildungsministerin Doris Ahnen betonte, wie wichtig das Entwickeln und Umsetzen klarer Strategien, die längerfristig orientiert sind und Planungssicherheit für Unternehmen und Familien geben, oberste Priorität habe. Zur Attraktivität des Bildungssystems in Rheinland-Pfalz gehöre die Öffnung der Hochschulen und die Durchlässigkeit von der Grundschule bis zur Hochschule. So wurde ein Modellversuch an ausgewählten Hochschulen ins Leben gerufen, in dem Menschen mit einer abgeschlossenen Meisterprüfung direkten Zugang zur Hochschule haben. Außerdem sei es unerlässlich, dass die Unternehmen und Hochschulen eine enge Kooperation pflegten und Konzepte in direktem Austausch erarbeiteten. Gerade die Fachhochschulen sicherten mit ihren Standorten im ländlichen Raum attraktive Bildungsangebote. Als Beispiele nannte die Ministerin die Standorte Remagen, Zweibrücken und Birkenfeld.  Das Duale Studium sei für junge Menschen eine attraktive Möglichkeit, zwei Abschlüsse innerhalb von vier Jahren zu machen. Für mittelständische Unternehmen in ländlichen Regionen sei das Duale Studium eine gute Möglichkeit, junge Menschen in der Region zu halten.

Prof. Dr. Winfried Lieber, Doris Ahnen, Prof. DR. Hans-Christoph Reiss und Günther Behr


Für Günther Behr, Geschäftsführer der Handwerkskammer Trier, standen insbesondere die duale Ausbildung und deren Perspektiven für den ländlichen Raum im Vordergrund. Behr betonte die  existenzielle Bedeutung der dualen Ausbildung für das Handwerk. Sie sei eines der Aushängeschilder des deutschen Bildungssystems und wichtiger Qualitätsträger. Er zeigte auf auf, dass die geringe Jugendarbeitslosigkeit auch dem System der dualen Ausbildung zu verdanken sei. Dies sei auch ein wesentlicher Grund, weshalb sich die duale Ausbildung zu einem Exportschlager, vornehmlich für die europäischen Nachbarn entwickelt habe. Behr wies darauf hin, dass der Schlüssel für die duale Ausbildung bei den Berufsschulen liege, die deshalb zu einem Premiumprodukt entwickelt werden müssten.


In zwei Paneldiskussionen wurden im Anschluss wichtige Aspekte der Debatte vertieft.
Thema des ersten Panels, welches wie die gesamte Veranstaltung von Prof. Dr. Hans-Christoph Reiss, dem Geschäftsführer der Dualen Hochschule Rheinland-Pfalz, moderiert wurde, war: Bildung in der Fläche – Junge Menschen in der Region halten. Prof. Dr. Winfried Lieber, Rektor der Hochschule Offenburg und stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Hochschulen für Angewandte Wissenschaften Baden-Württemberg, betonte in der Diskussion die Bedeutung der Durchlässigkeit innerhalb des Bildungssystems. Auch sehe er den Erfolg der Dualen Hochschulen vor allem in der Diversifizierung der Studiengänge und einem spezialisierten Studienangebot. Zum Thema der steigenden Studienabbrecher-Quote  sehe er auch einen Studienabbruch als Erfolg an, wenn klar werde, dass ein Studium nicht der richtige Weg sei.
Auch Günther Behr, Geschäftsführer der Handwerkskammer Trier betonte, dass Durchlässigkeit elementar im Bildungssystem sei. Gerade auch um eine Ausbildung mit Abitur neben dem Studium nicht als Weg zweiter Klasse zu kategorisieren. Der Weg einer Ausbildung müsste vor allem durch Unternehmen attraktiv gestaltet werden.


Bildungsministerin Ahnen, ergänzte, dass die Thematik der Studienabbrüche ebenso auf die Ausbildung zutreffe. Durch den demographischen Wandel habe sich die Situation ergeben, dass auf jeden einzelnen Jugendlichen geschaut werden müsse. Es dürfe solchen Jugendlichen nicht das Gefühl vermittelt werden auf ihrem Ausbildungsweg gescheitert zu sein; stattdessen müsse sich auf die Fähigkeiten und Potenziale konzentriert werden.
Im zweiten Panel, moderiert von Dr. Beate Hörr, Leiterin des Zentrums für wissenschaftliche Weiterbildung an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, wurde die Frage erörtert, wie erfahrene Fachkräfte qualifiziert und im Unternehmen gehalten werden können. Dirk Hoffmann, Personalleiter der Gerolsteiner Brunnen GmbH & Co. KG, wies vor allem auf die wachsende Bedeutung von „Soft Skills“ hin. So seien ein authentisches Auftreten und ständige Kommunikation heute wesentliche Voraussetzungen für das Führen von Mitarbeitern. Jun.-Prof. Dr. Matthias Rohs, von der technischen Universität in Kaiserslautern, machte deutlich, dass insbesondere in kleineren Unternehmen Weiterbildungsmaßnahmen häufig nicht genutzt würden. Dies liege allerdings nicht daran, dass Defizite von den Unternehmen nicht erkannt würden, sondern, dass diese oftmals nicht die entsprechenden Kapazitäten hätten. Tom Ankirchner, Leiter des Geschäftsbereichs Weiterbildung der Industrie- und Handelskammer für die Pfalz, sah vor allem durch die Schaffung von Beratungsstellen für Ausbildungsplätze an Universitäten eine Chance, dem Problem der wachsenden Zahl an Studienabbrechern wirksam entgegen zu treten. Gleichzeitig würden so Mitarbeiter mit großem Potenzial über den Weg der Ausbildung an die Unternehmen herangeführt.

Heike Arend, Geschäftsführerin der ZIRPIm Schlusswort machte Heike Arend, Geschäftsführerin der Zukunftsinitiative Rheinland-Pfalz, noch einmal deutlich, wie elementar das Thema Bildung im Hinblick auf die Sicherung und Erhaltung von Arbeitsplätzen im ländlichen Raum ist. Außerdem sei eine enge Kooperation von Wirtschaft und öffentlicher Hand in diesem Bereich unerlässlich, um die Herausforderungen im Bereich Bildung meistern und Potenziale und Chancen erkennen und nutzen zu können.

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