Kongress & Ideenmesse

„Nachhaltig erfolgreich wirtschaften“ – unter diesem Titel stand der erste Nachhaltigkeitskongress der ZIRP am 6. Oktober 2014 Der Kongress war zugleich der Auftakt für das Netzwerk „Zukunft Unternehmen“, mit dem die ZIRP künftig beitragen will, die drei Dimensionen der Nachhaltigkeit - ökonomisch, ökologisch und sozial - stärker in das unternehmerische Bewusstsein und Handeln zu tragen. Im Rahmen des Kongresses präsentierten zahlreiche Unternehmen ihr Portfolio im Bereich Nachhaltigkeit auf einer Ideenmesse. Parallel fanden 20 Fachforen statt, die eine weitere Vertiefung von Themen ermöglichten. Moderiert wurde die Veranstaltung von Werner Eckert, Leiter des Umweltressorts des SWR.

Über 200 Besucher konnte die Vizepräsidentin der Hochschule Mainz, Professorin Bettina Tabel, begrüßen. Sie betonte in Ihrer Rede die wachsende Bedeutung von Nachhaltigkeit für Lehre und Forschung an der Hochschule.

Die unternehmerische Sicht vertrat Dr. Ulrich von Deessen, erster Klimaschutzbeauftragter der BASF und Leiter des Kompetenzzentrums Umwelt, Gesundheit und Sicherheit sowie Mitglied des Corporate Sustainability Board. Er verdeutlichte in seinem Impulsvortrag den Nutzen nachhaltiger Unternehmenspraxis für Mitarbeiter, Kunden und das Unternehmen insgesamt. „Nachhaltigkeit bezieht sich auf den gesamten Prozess im Unternehmen“, sagte von Deessen, „auf Produktionsverfahren, Produkte und Dienstleistungen, auf das Immobilienmanagement und auf Führung und Zusammenarbeit.“ Dabei gehe es um den Schutz der Umwelt, zudem um übergeordnete Werte und Prinzipien wie die Gesunderhaltung der Mitarbeiter und der Verbraucher.

Die Landesregierung verfolge das Ziel, dass nachhaltiges Unternehmertum ein Markenzeichen der rheinland-pfälzischen Wirtschaft und zu einem weltweiten Exportvorteil wird. Dies machte Ministerpräsidentin Malu Dreyer deutlich. „Um die Unternehmer in unserem Land dabei zu unterstützen, habe ich zu Beginn meiner Amtszeit vorgeschlagen, ein Netzwerk für nachhaltiges Unternehmertum in Rheinland-Pfalz ins Leben zu rufen, das den Austausch der Betriebe über gute Beispiele nachhaltiger Praxis fördern soll.“ Sie freue sich, dass dieses Netzwerk, koordiniert von der ZIRP, nun starte.

Dieses Netzwerk habe nun einen Namen und eine organisatorische Struktur: „Zukunft Unternehmen“ mache deutlich, dass Nachhaltigkeit gleichzeitig ein Prozess und ein Ziel ist. Das Netzwerk folge dem Prinzip: Unternehmen lernen von Unternehmen. Es biete die Möglichkeit, bei Netzwerktreffen am konkreten Beispiel anderer zu lernen und an deren Erfahrungen teilzuhaben: Wissen aus der Praxis für die Praxis. Zukunft Unternehmen sei ein offenes Netzwerk ohne formale Mitgliedschaft. Jedes Unternehmen entscheidet selbst, in welcher Form es sich beteiligen möchte, ob es andere Einblicke in erfolgreiche Nachhaltigkeitsprojekte gewährt und diese bekannt machen oder aus dem Erfahrungsschatz anderer schöpfen möchte.

Dr. Volker Hauff, Bundesminister a.D. und Mitglied im Kuratorium des Deutschen Nachhaltigkeitspreises, setzte in seinem Impuls die bundesweite und internationale Nachhaltigkeitsdebatte ins Verhältnis. Viel habe sich in den letzten Jahren bewegt, sodass Nachhaltigkeit im Zentrum von Politik und Wirtschaft angekommen sei. „Die Liste der Institution, die sich in Rheinland-Pfalz mit dem Thema Nachhaltigkeit beschäftigen ist eindrucksvoll. Eine Vielzahl von Unternehmen zeigt heute hier, was sie können. Auch die Wissenschaft meldet sich deutlich zu Wort.“ Gerade was die politische Arbeit am Thema betreffe, so Hauff, sei Rheinland-Pfalz Vorreiter gewesen. „Als eines der ersten Bundesländer hat es eine eigenständige Berichterstattung vorgelegt.“ Unternehmen, die eine wichtige Rolle auf dem Weg zur Nachhaltigkeit spielten, ständen unter besonderem Druck: Extern durch den Druck des Marktes und Knappheit der Rohstoffe, intern durch die Forderungen der Mitarbeiter nach sinnvoller und nachhaltiger Beschäftigung. „Um das zu schaffen, brauchen Unternehmen eine Nachhaltigkeitsmanagement mit klaren Strategien, Zielen und Verantwortlichkeiten und Berichterstattung. Grundlegend gilt: das Diktat der Kurzfristigkeit muss überwunden werden!“ In der Podiumsdiskussion wurde die große Rolle der Kooperation zwischen Wirtschaft und Politik bei der Umsetzung der Nachhaltigkeitsstrategie deutlich. Jeder könne von den Stärken und Erfahrungen des jeweils anderen lernen und seinen Beitrag leisten – zum Nutzen des Landes.

Ministerpräsidentin Malu Dreyer verwies auch auf die Nachhaltigkeitsstrategie des Landes: „Die Landesregierung steht auch in der Pflicht, Nachhaltigkeit in eigener Verantwortung zu leben und konkrete Zielsetzungen zu benennen.“ Als Beispiel nannte sie das Landestariftreuegesetz, mit dem 2010 bei öffentlichen Vergaben ein Mindestlohn eingeführt wurde, sowie das Klimaschutzgesetz, das bis 2030 eine klimaneutrale Landesverwaltung vorsieht.

Aus unternehmerischer Perspektive ist die Initiative Chemie3 ein Beispiel für gemeinsames Vorgehen von Arbeitgebern und Arbeitnehmern im Kontext der Sozialpartnerschaft. Hier arbeiten Arbeitgeberverband, Gewerkschaft und der Verband der chemischen Industrie gemeinsam daran, die nachhaltige Entwicklung einer der wichtigsten Branchen der deutschen Industrielandschaft voranzutreiben.

Im Fazit wurde deutlich, dass nicht jedes Unternehmen den gleichen Weg einschlagen kann, auch wenn Einigkeit über das Ziel besteht. Jeder müsse, abhängig von Größe und Produkt- und Dienstleistungsportfolio seines Unternehmens entscheiden, welche Maßnahmen wie und in welchem Tempo umgesetzt werden können. Rheinland-Pfalz mit seinem über alle Branchen und Größenklassen diversifizierten Unternehmertum und einer starken Industrie kann Vorreiter im Bereich Nachhaltigkeit sein und nachhaltiges Wirtschaften zu seinem Markenzeichen machen, das zum weltweiten Exportvorteil wird.

Im Anschluss an die vormittäglichen Diskussionen und Vorträge fanden Ideenmesse und Themenforen statt. Das Angebot wurde in großer Zahl genutzt, sodass in lockerer Atmosphäre Themen vertieft und neue Kontakte geknüpft werden konnten.

Den Abschluss der Veranstaltung bildete ein Dialog zwischen Moderator Werner Eckert und Dieter Brübach, Mitglied des Vorstandes des Bundesdeutschen Arbeitskreises für Umweltbewusstes Management B.A.U.M. e.V., in dem es erneut um den Beitrag von Unternehmen zu einem Nachhaltigen Standort ging. Exzellente Beispiele seien in ganz Deutschland zu finden, erklärte Brübach, wo innovative nachhaltige Produkte und Konzepte Unternehmen an die Spitze der Bewegung setzten. Was man dafür brauche, fügte er hinzu, sei nicht schiere Größe: „Man muss kein riesen Unternehmen sein, um nachhaltig zu sein. Das können auch Kleinstunternehmer schaffen. Viel wichtiger ist die Vision und der Wille, sie umzusetzen!“

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