Veranstaltung der Reihe "Kreative Stadt"
am 9. Juni 2015 im Ernst-Bloch-Zentrum, Ludwigshafen

Wie muss ein gemeinsamer Lebensraum aussehen und gestaltet werden, in dem sich jede und jeder entfalten kann? Wie können ungenutzte Freiräume gestaltet und belebt werden? Bergen künstlerische Interventionen das Potenzial, konstitutiv für die Herausbildung einer kulturellen Identität zu sein?

Diese und andere Fragen standen im Mittelpunkt der Veranstaltung „Lebensraum Stadt - Raum für Utopie?“, zu der die ZIRP gemeinsam mit dem Ernst-Bloch-Zentrum der Stadt Ludwigshafen Künstler, Kulturexperten und Sozialwissenschaftlereingeladen hat. Untermauern konnte die Veranstaltung von Beginn an eines: Soziokultur belebt die Stadt!

Margret Suckale, Vorsitzende der ZIRP und Vorstandsmitglied der BASF SE, wies in ihrem Grußwort auf die Urbanisierung als Megatrend unserer Gesellschaft hin. „2050 leben 70 Prozent der Menschen in Städten“ problematisierte sie zu Beginn und beschrieb die Auswirkungen, die daraus resultieren. Im Zentrum dieses Megatrends stehe das Ressourcenproblem, so Suckale. Dieses Problem habe die BASF SE als Chemieunternehmen erkannt und arbeite schon jetzt an verschiedenen Materiallösungen. Bei dieser Arbeit müsse der Mensch mitgenommen werden. Im Anschluss präsentierten Öykü Özsoy, Kuratorin Hack and the City, und Schirin Kretschmann, freie Künstlerin, künstlerische Interventionen, die sie in Ludwigshafen und weiteren Städten umgesetzt haben. In ihren Projekten gestalten sie öffentliche Räume durch Bauten, Farbakzente und Aktionskunst und beobachten, wie die Öffentlichkeit darauf reagiert und partizipiert. Mal als Soloprojekt, mal als Mitmach-Aktionen wie die Bepflanzung der Rondelle vor dem Ludwigshafener Hauptbahnhof, intervenieren sie auf diese Weise in die oft graue Straßenszene hinein. „Städtische Räume sind verhandelbar, man kann sich diesen Raum gemeinsam nehmen und nutzen. So kann man in Partizipation aller etwas Gemeinschaftliches schaffen“, so Kretschmann.

Foto: Schirin Kretschmann fegt pinkfarbene Pigmente

Foto: Sandra Köstler

Prof. Dr. Oliver Scheytt, Geschäftsführer KULTUREXPERTEN Dr. Scheytt GmbH, betonte in seinem Vortrag über „Kunst und Partizipation“ die vier Elemente von Raum: Historie, Gestaltung, Erlebnis und Erzählung. Nur wer mit ihnen zu arbeiten weiß, kann öffentlichen Raum gestalten. Bedeutsam ist hierbei die Wahrnehmung durch die Bürgerinnen und Bürger. Erst wenn die Einwohner öffentliche Plätze, leerstehende Gebäude oder Freiflächen erkennen und nutzen, beginne eine Identifikation mit der Stadt: „Das ist meins!“

Lebensraum Stadt Raum fuer Utopie 0137
Foto: Andreas Neumann

Die Podiumsdiskussion zeigte, dass Utopie im Stadtraum immer weiter zunimmt. „Der gesellschaftliche Wandel hat einen Weg in die Verwaltung gefunden, Projekte wie Urban-Gardening und Repair-Cafés in denen man selbst- und mitgestalten kann, werden von Stadtplanern zum Beispiel durch Zwischennutzungsmanagement berücksichtigt. Städte haben so an Utopie gewonnen“, so Wulf Kramer, Mitgründer der Yalla Yalla! GbR. Prof. Dr. Anette Spellerberg, Leiterin des Fachgebietes Stadtsoziologie der TU Kaiserslautern, animierte dazu, Räume in der Stadt durch andere Arten des Zusammenlebens zu beleben. Wie beim Car-Sharing gehe es darum, etwas zu nutzen, ohne es zu besitzen. Die kollektive Identität, die hier entstehe, basiere dabei auf Vertrauen und Verbrüderung.

Dr. Klaus Kufeld, Direktor des Ernst-Bloch Zentrums, schloss die Veranstaltung mit der Aufforderung, gemeinsam das Besinnliche einer Stadt herauszuarbeiten und das Sympathische in ihrem „ehrlichen Gesicht“ zu erkennen.

Durch den Abend führte Kai Uwe Weidlich, Geschäftsführer der Medien Institut Vlasic & Weidlich GbR, der mit seiner Expertise in Psychologie, Marketing und Kommunikation eine Bereicherung für Vorträge und Diskussionen darstellte. Im Anschluss kamen die Gäste bei Wein und Imbiss zusammen, um die Inhalte des Abends zu vertiefen und hatten Gelegenheit dazu die Ausstellung „Helden der Stadt“ zu besichtigen.

Zur Bildergalerie der Veranstaltung bitte auf das Bild klicken (Fotos: Andreas Neumann).

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