Nachlese:
Innovationen entwickeln, umsetzen und schützen
Donnerstag 15. März 2012, Festung Ehrenbreitstein, Koblenz

Innovationen schützen


Das Thema Innovation gehört zum Selbstverständnis der Zukunftsinitiative Rheinland-Pfalz (ZIRP). Welch hohe Relevanz in diesem Zusammenhang der Schutz Geistigen Eigentums sowohl für die Zivilgesellschaft als auch für Unternehmen besitzt, haben nicht erst die öffentlichen Demonstrationen und Debatten um "ACTA" gezeigt. Denn gute Ideen sind kostbar. Schließlich wird im Idealfall aus einer guten Idee eine erfolgreiche Innovation. Im Rahmen der Veranstaltung "Innovationen entwickeln, umsetzen und schützen" hat sich die ZIRP in Kooperation mit der WHU – Otto Beisheim School of Management daher mit zentralen Fragen rund um den Schutz geistigen Eigentums befasst.

Thomas Metz, Generaldirektion Kulturelles Erbe
Thomas Metz, Direktor der Generaldirektion Kulturelles Erbe (GDKE) Rheinland-Pfalz, begrüßte die Gäste auf der Festung Ehrenbreitstein. Er verwies auf die Vorreiterrolle von ZIRP und WHU, als erste nach der Bundesgartenschau und den anschließenden umfassenden Umbaumaßnahmen eine Veranstaltung auf der Festung Ehrenbreitsein zu organisieren.

 

Prof. Dr. Michael Frenkel, Rektor der WHU

Auch Prof. Dr. Michael Frenkel begrüßte in seiner Eigenschaft als Rektor der WHU die anwesenden Gäste. Die WHU, so Frenkel, versucht stets jene Themen aufzugreifen, die für Unternehmen wichtig sind. Und wichtig sind heute sogar noch mehr als früher Innovationen bzw. Innovationsmanagement. Gäbe es keine neuen Ideen und keine so starke Innovationsbereitschaft bei großen wie kleinen Unternehmen, stünde die deutsche Wirtschaft heute nicht so verhältnismäßig gut da.

Impulsvortrag: Worauf es wirklich ankommtProf. Dr. Holger Ernst, Lehrstuhl für Technologie und Innovationsmanagement, WHU
Diesen Gedankengang nahm Prof. Dr. Holger Ernst (Lehrstuhl für Technologie und Innovationsmanagement, WHU – Otto Beisheim School of Management) in seinem Impulsvortrag "Innovationen entwickeln, umsetzen und schützen – worauf es ankommt" auf. Zunächst veranschaulichte Prof. Ernst durch die Beispiele der insolventen Firmen Blockbuster und Kodak die für Unternehmen überlebenswichtige Bedeutung von Innovationen und einer erfolgreichen Innovationsstrategie. Blockbuster war unfähig, auf das auf Versand ausgerichtete Geschäftsmodell des Konkurrenten Netflix zu reagieren. Kodak hingegen entwickelte zwar die erste digitale Kamera, hatte also das nötige Wissen im Unternehmen, hat es aber nicht verstanden, dieses Wissen in Erfolg umzusetzen. Die Tatsache, dass Kodak noch zahlreiche Patente besitzt, zeigt bereits, dass allein die Anzahl von Patenten bzw. das Patentrecht per se kein ausschlaggebender Indikator für die Innovationsfähigkeit eines Unternehmens ist. Beide Beispiele verdeutlichen die Wichtigkeit von fortlaufender Anpassung und ständigem Hinterfragen des eigenen Geschäftsmodells. "Größe und Erfolg schützen nicht vor Untergang, wenn man die Zeichen der Zeit nicht erkennt", so Prof. Dr. Ernst. Als Paradebeispiel für Erfolg durch Innovation hingegen kann der Aufstieg der Firma Apple – vom Nischenplayer zum höchstbewerteten Technologieunternehmen – herangezogen werden. Apple konnte durch die Einführung neuer Produkte zwischen 2006 und 2012 seinen Börsenwert von 53,4 auf 416,8 Mrd. US $ steigern. Weitere, wenn auch vielleicht weniger bekannte Beispiele für Unternehmen, die die Kraft der Innovation über einen langen Zeitraum in unternehmerischen Erfolg umsetzen können, sind die sogenannten "Hidden Champions", die unbekannten deutschen Weltmarktführer.

Zu der Frage, wieso Patente immer wichtiger werden, führte Prof. Ernst eine Reihe von Faktoren an, die gemeinsam dafür sorgen, dass dem wirksamen Schutz von Ideen ein immer höherer Stellenwert zukommt und dass Patente zunehmend als Asset und strategische Waffe erkannt werden:

  • Steigende F&E-Aufwendungen
  • Zunehmender Wettbewerbsdruck
  • Abnehmende Produktlebenszyklen
  • Zunehmende Technologiedynamik (technische Unsicherheiten)
  • Stärkung des Patentsystems (insb. USA)
  • Entstehung von Wissensmärkten (Vermarktungsoptionen)
  • Trend und Notwendigkeit zur "Open Innovation"
  • Spektakuläre und kleine Patentverletzungsfälle
  • Unternehmenswert maßgeblich vom Wert intangibler Ressourcen bestimmt


Viele empirische Arbeiten belegen, dass nicht die Anzahl von Patenten, sondern vielmehr die Qualität einzelner Patente sowie das Management des Patentportfolios eines Unternehmens über Erfolg und Misserfolg entscheiden können. Wenige, wichtige Patente korrelieren mit Marktanteilen, Umsatz und letzten Endes auch mit Profit. Dieser Zusammenhang wird interessanterweise stärker, je kleiner und technologieorientierter die Firma ist. Patente sind somit sehr wohl wichtig für innovationsgetriebene, kleinere und mittlere Unternehmen. Um aus diesen Überlegungen heraus die Qualität eines Patentportfolios messen zu können, hat Prof. Dr. Ernst den Patent Asset Index entwickelt. Patentportfolios werden demnach nicht nur anhand ihrer Größe, sondern auch anhand der technologischen Qualität und ihres Marktwerts bewertet, um die technologische Innovationskraft von Unternehmen zu vergleichen. So rangiert die BASF als weltweit innovativstes Chemieunternehmen auf Rang Eins.
Vortragsfolien als PDF zum Download

"Führend im Patent Asset Index – Führend In Innovation"
Dr. Peter Kallas, Head of Chemicals and Engineering Information BASF
Moderator Thomas Hasselbach (GF Marketing Manufaktur GmbH und MikroForum Hochtechnologiepark Wendelsheim GmbH) leitete nach diesem theoretischen Input in den Bericht aus der Unternehmenspraxis. Der erste Beitrag von Dr. Peter Kallas (Head of Chemicals and Engineering Information BASF Group Information Center), "Führend im Patent Asset Index – Führend In Innovation" knüpfte nahtlos an den Impulsvortrag an. Ihrem Selbstverständnis nach betreibt die BASF Forschung für die Zukunft, um mit innovativen Produkten und Prozessen nachhaltige Lösungen für globale Herausforderungen zu liefern. Dafür wendet die BASF für Forschung und Entwicklung circa 1,61 Milliarden Euro pro Jahr auf. Im Zusammenhang mit Innovationsfähigkeit verwies Dr. Kallas auf den seit Jahren steigenden Anteil immaterieller Vermögenswerte, wie Know How der Mitarbeiter, Trademarks oder Copyright-Lizenzen, aber eben auch in besonders stark steigendem Maße: Patente. Mit der wachsenden Bedeutung steigt auch die Wichtigkeit, den Erfolg von Patenten adäquat messen und bewerten zu können. Einfache Kennziffern wie der akkumulierte F&E Aufwand, der Umsatz oder Prognosen über zukünftige Produkte und Märkte (Pipeline NPV) geben keine zuverlässige Auskunft über den tatsächlichen Wert eines Patentportfolios, daher verwendet u.a. die BASF mittlerweile den Patent Asset Index (PAI) als Innovations-Benchmark. Anhand anschaulicher Folien verdeutlichte Dr. Kallas, warum der PAI ein geeignetes Analysetool für
Patentstrategien und Technologiefelder sowohl auf regionaler als auch globaler Ebene ist und inzwischen firmenübergreifende Verwendung findet.

"Schützen, was ein Unternehmen stark macht" Dr. Sönke Brodersen, Senior Vice President Research, KSB AG
In einem weiteren Beitrag aus der Praxis referierte Dr. Sönke Brodersen (Senior Vice President Research, KSB AG) darüber, welche Faktoren ein Unternehmen tatsächlich stark machen und demzufolge auch besonderen Schutz benötigen. Selbstverständlich gehören dazu die Finanzkraft, die Marktpräsenz, die Kundennähe, das Unternehmen als Marke, die Servicequalität oder auch die Produktionsstätten. Doch aus Sicht von Dr. Brodersen ist es noch vor allem anderen das Wissen und die Kreativität der Mitarbeiter. Demzufolge sind Schutzrechte (Patente, Gebrauchsmuster) oder Schutztechnologien (z.B. „Eingebauter Kopierschutz“) zwar notwendig aber nicht ausreichend. Vielmehr bedarf es besonders des Schutzes Geistigen Eigentums und Wissens durch die konsequente Sensibilisierung der Mitarbeiter, z.B. für die Gefahren von Industriespionage. Der häufigste Grund für eine erfolgreiche industrielle Spionage in Deutschland ist der oftmals sogar unbeabsichtigte Informationsabfluss durch eigene Mitarbeiter (20,3%). Neben Vorsichtsmaßnahmen für Mitarbeiter auf Dienstreisen, einem Informations-, IT- und Werkschutzsystem legt das Sicherheitskonzept der KSP demzufolge besonderes Augenmerk auf die Mitarbeitersensibilisierung.
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Thomas Hasselbach,  Jochen Kortmann, Frank Liesenfeld,  Dr. Sönke Brodersen und Dr. Peter Kallas
In der anschließenden anregenden und angeregten Podiumsdiskussion unter der Leitung von Thomas Hasselbach tauschten Dr. Kallas und Dr. Brodersen sowie Frank Liesenfeld (Leiter Ersatzteilvertrieb, BOMAG GmbH) und Jochen Kortmann (Geschäftsführer, KSV Koblenzer Steuerungs- und Verteilungsbau GmbH) Erfahrungen aus der Praxis aus und beantworteten Podiumsfragen zum Patentrecht- und Management. Das lebhafte Interesse an der Debatte trug nicht nur zum Erfolg der Veranstaltung bei: Die ZIRP wird das Thema in einer ihrer zukünftigen Publikationen aufgreifen und vertiefen.

Heike Arend, Geschäftsführerin ZIRP

Publikum in der Festung Ehrenbreitstein

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