ZIRP-Projekt „Gesellschaft 2030“ startet

Die Bedeutung von Freundschaften ändert sich durch soziale Netzwerke. Das ist eines der Forschungsergebnisse der großen Studie „Das Vermächtnis – Die Welt, die wir erleben wollen“ von DIE ZEIT, dem Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) und dem Sozialforschungsinstitut infas. Vorgestellt wurden die Ergebnisse dieser Studie bei „Familie, Freunde, Follower – die Gesellschaft als Netzwerk“, der heutigen Auftaktveranstaltung des Projekts „Gesellschaft 2030“ der Zukunftsinitiative Rheinland-Pfalz (ZIRP) auf dem Hambacher Schloss. Malu Dreyer, Ministerpräsidentin des Landes Rheinland-Pfalz, diskutierte mit Moritz Müller-Wirth, stellvertretender Chefredakteur der ZEIT, und Tim Gemünden, Geschäftsführender Gesellschafter der Karl Gemünden-Bauunternehmung und Mitglied der ZIRP, über die Studienergebnisse und deren Interpretation.

Als Einflussfaktoren des gesellschaftlichen Wandels nannte Ministerpräsidentin Malu Dreyer die Digitalisierung und die Individualisierung. „Die technologische Entwicklung macht es möglich: Es gibt zunehmend individuelle Lösungen für alle Lebenslagen.“ Seien dies individuell konfigurierbare Produkte oder neue Medikamente, die individuell für den einzelnen Patienten entwickelt werden. Diese Möglichkeiten seien Chancen, um den individuellen Bedürfnissen mehr gerecht zu werden, so Ministerpräsidentin Malu Dreyer.
Gesellschaftliche Veränderungen dürften keinesfalls blind und ungesteuert durchlebt werden, so die Ministerpräsidentin. „Wenn es uns in Rheinland-Pfalz gelingt, ein Ort der Toleranz, Offenheit, Veränderungsbereitschaft und Partizipation zu bleiben, sind wir auf einem guten Weg.“ Einen Anstoß hierzu liefere das neue Projekt „Gesellschaft 2030“ der ZIRP mit den drei großen Themen Zusammenhalt, Gerechtigkeit und Teilhabe. „Für mich sind das die Eckpfeiler einer Gesellschaft im Wandel“, unterstrich die Ministerpräsidentin.
„Wir waren positiv überrascht, mit wie viel Zeit und Vertrauen die über 3.000 befragten Menschen sich auf unsere Fragen und damit auch auf einen Blick in ihr eigenes Leben eingelassen haben“, resümierte Moritz Müller-Wirth die Beteiligung an der Studie. Die hohe Teilnehmerzahl spreche zudem für die hohe Aussagekraft und Repräsentativität der Ergebnisse. „Wir haben uns gefragt, wie es den Deutschen in der heutigen Welt ergeht, in welcher Gesellschaft künftige Generationen leben sollten und was sie ganz allgemein von der Welt von morgen erwarten“, erklärte Jan Wetzel, Mitglied des Forschungsteams des WZB. Die Ergebnisse der Studie seien deswegen so einzigartig, weil sie ganz persönliche Einblicke in die Vorstellungen und Erwartungen der deutschen Bürger geben und auch den Wandel dieser Vorstellungen nachzeichnen. Das Forschungsteam des WZB stellte klar fest: „Die Möglichkeiten der digitalen Kommunikation haben natürlich Auswirkungen auf die Kontakthäufigkeit und -intensität in Freundeskreisen.“

Zum Wandel der Gesellschaft zählt auch die Veränderung von Familiengefügen. So gibt es mehr Patchwork-Familien oder Co-Parenting und die Zahl der Single-Haushalte in Rheinland-Pfalz nimmt zu: Ihr Anteil liegt bei rund 37 Prozent, fast jeder sechste lebt alleine. Auch Familienunternehmen sehen sich angesichts dieses Wandels vor Herausforderungen. Für Tim Gemünden, der die Bauunternehmung Karl Gemünden in fünfter Generation führt, sind die Vorteile eines Familienunternehmens jedoch deutlich: „Im Gegensatz zu Konzernen genießt man in Familienunternehmen größeren Gestaltungsspielraum, muss nicht in Quartalszahlen denken“. Gleichzeitig sei man als Familienunternehmer auch deutlich mehr in der Pflicht, langfristig zu denken und langfristige strategische Entscheidungen auch selbst vorzuleben.

Das Projekt „Gesellschaft 2030“ der ZIRP greift die Ergebnisse des Foresight-Prozesses auf, den die ZIRP im Herbst/Winter 2015 mit zahlreichen Experten aus Rheinland-Pfalz durchgeführt hat. Als ein zentrales Zukunftsthema wurde dabei benannt: In welcher Gesellschaft werden wir im Jahr 2030 leben? Das Projekt Gesellschaft 2030 wird von einem Expertengremium flankiert, das sich aus Vertretern der Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur zusammensetzt. Die ZIRP ist als freiwilliger Zusammenschluss von derzeit 85 Unternehmen, Verbänden, Hochschulen, Kirchen und Kulturschaffenden mit Bezug zu Rheinland-Pfalz bundesweit einmalig. Aufgabe der ZIRP ist es, den Wirtschaftsstandort Rheinland-Pfalz, aber auch die Regionen des Landes als Lebens- und Arbeitsraum sowie als Kulturstandort im weltweiten Wettbewerb zu stärken, innovative, technische, wirtschaftliche und soziale Lösungen für Herausforderungen der Zukunft zu entwickeln und bei deren Umsetzung zu helfen sowie Bewusstsein für anstehende Veränderungen zu wecken.

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