Veranstaltung der ZIRP und der Evangelischen Akademie der Pfalz
„Die europäische Idee: Götterfunke oder Sternenstaub?“

Die wirtschaftliche und politische Krise in der Europäischen Union hat vielerorts die Europabegeisterung gedämpft. In nahezu allen europäischen Ländern formieren sich EU- und europakritische Bewegungen, in Deutschland erlebt eine europaskeptische Partei zweistellig den Einzug in die Parlamente. Wie kann die europäische Idee wieder an Kraft gewinnen?

Zu dieser Frage luden die Zukunftsinitiative Rheinland-Pfalz (ZIRP) e.V. und die Evangelische Akademie der Pfalz im Themenjahr „Reformation und die eine Welt“ bei ihrer diesjährigen Kooperationsveranstaltung „Die europäische Idee: Götterfunken oder Sternenstaub?“ zur Diskussion ein. Aber: Europa habe nicht nur ein Stimmungsproblem, „hier geht es um konkrete Sachfragen“, kam Dr. Christoph Picker, Direktor der Evangelischen Akademie der Pfalz, gleich bei seiner Begrüßung auf den Punkt.
Die aktuell dominierenden Themen in Europa seien nach wie vor der Brexit, die Flüchtlingspolitik und die finanzielle Situation. Rheinland-Pfalz profitiere von offenen Grenzen und die europäische Idee gehöre hier selbstverständlich zum Alltag. Dies zeigen vielfältige Projekte, in denen länderübergreifend zusammengearbeitet und gelebt wird. Daraus wies Staatssekretärin Heike Raab, Bevollmächtigte des Landes beim Bund und für Europa, hin. „Die europäische Einigung wird zu oft auf die staatliche Ebene begrenzt. Dabei ist sie in den Regionen wie bei uns mit der Oberrhein-Region und in der Großregion schon gelebter Alltag. Wir respektieren uns als eigenständige Partner und sehen uns doch als Gemeinschaft.“ Die europäischen Herausforderungen ließen sich nur gemeinsam lösen. „Als Europäerinnen und Europäer dürfen wir die Debatte über die Zukunft Europas nicht ihren Feinden überlassen“, forderte Raab.
Professor Dr. Fritz Lienhard, Professor für Praktische Theologie an der Universität Heidelberg, plädierte für ein „gemeinsames Menschsein“, dass das Verbindende in den Vordergrund stellt. Dazu zählte er auch Nächstenliebe – eine Tugend, die trotz oder gerade wegen zunehmender Gewalt wieder aktiv gelebt werden müsse. „Auch wir Christen kennen Gewalt, die Heilige Schrift ist voll von ihr.“ Die Menschen hätten zwar viele Strategien für Krieg, aber nur wenige für Frieden. Dass Europa eine sehr erfolgreiche Friedensstrategie ist, betonte Staatssekretärin Heike Raab: „Wir haben seit 70 Jahren Frieden in Europa. Wir sind alle Gewinner der europäischen Idee.“ Dass sich Europa auch wirtschaftlich lohnt, bestätigte Dr. Robert Schnatz, Vorstandsmitglied der Gebr. Pfeiffer SE. Für das global agierende Unternehmen sind offene Grenzen und ein friedliches Miteinander unabdingbare Voraussetzungen seines Exporterfolgs.
Warum ist die Protestbewegung dennoch so stark? „Die Nöte und Empfindungen der Menschen sind subjektiv. Wir müssen sie ernst nehmen. Nur so lässt sich der Wind aus ihren Segeln nehmen“, mahnte Professor Lienhard zu mehr Dialog auf Augenhöhe. Einig waren sich die drei Diskutanten darin, dass Europa zu abstrakt und somit oftmals schwer zu vermitteln ist. „Es spricht eher den Verstand als das Herz an. Europa muss wieder näher an den Menschen kommen“, resümierte Raab.
„Europa, das ist, wie auch die heute geführte Diskussion gezeigt hat, ein Wechselspiel aus Philosophie und Pragmatismus. Wir sollten uns wieder mehr vor Augen halten, dass Europa sowohl Friedens- als auch Wohlstandsversprechen war. Die Menschen haben mit der europäischen Einigung Lebensqualität und Freiheit gewonnen“, unterstrich Heike Arend, Geschäftsführerin der ZIRP.

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