Erik Reger: Schriftsteller und Publizist

Kurze Vita

Erik Reger wurde am 8. September 1893 in Bendorf am Rhein, nördlich von Koblenz, geboren und auf den Namen Hermann Dannenberger getauft. Seine Familie stammte von Bergleuten ab. Er selbst studierte in Bonn, München und Heidelberg Englisch, Französisch und Deutsch, später auch Politische Geschichte und Kulturwissenschaften.

Nach dem Ersten Weltkrieg, in dessen Verlauf er in Englische Kriegsgefangenschaft geriet, war Dannenberger von 1919 bis 1927 Pressereferent bei der Firma Krupp in Essen. Da diese Beschäftigung andere publizistische Tätigkeiten ausschloss, veröffentlichte er seine feuilletonistischen und literarischen Arbeiten unter dem Pseudonym Erik Reger.

Zu diesen Arbeiten gehören insbesondere Theaterkritiken und gesellschaftskritische Romane, die sich mit dem Verhältnis von Politik und Wirtschaft im Ruhrgebiet bzw. im Rheinland beschäftigen. Für sein Hauptwerk, den Tatsachenroman Union aus fester Hand, erhielt Reger (zusammen mit Ödön von Horváth) 1931 den Kleistpreis – die höchste literarische Auszeichnung, die es damals in Deutschland gab. Regers frühe und heftige Kritik an Hitlers Aufstieg – nachzulesen vor allem in seinem Essay Naturgeschichte des Nationalsozialismus (1931) – führte dazu, dass er im sogenannten "Dritten Reich" wiederholt massiven Repressalien ausgesetzt war. Reger lebte zunächst in der Schweiz, arbeitete dann im Jahre 1937 vorübergehend in der wissenschaftlichen Abteilung der Firma C. F. Boehringer & Söhne (Mannheim-Waldhof), und trat schließlich eine Tätigkeit im Deutschen Verlag (vormals Ullstein) an.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Reger in die Chefredaktion des neu gegründeten Berliner "Tagesspiegel" berufen, dessen journalistisches Profil er wesentlich mitbestimmte – nicht zuletzt als Befürworter von Adenauers Konzept der Westintegration.

Erik Reger

Am 10. Mai 1954 starb Erik Reger auf dem Weg zu einer Tagung des Internationalen Presse Instituts in Wien. Der Tatsachenroman Union aus fester Hand gehört neben Siegfried Kracauers klassischer Studie Die Angestellten zu den zeitgeschichtlich aufschlussreichsten Dokumenten der Neuen Sachlichkeit. Kennzeichnend für diese Kunst- und Literaturbewegung war der entschiedene Verzicht auf eine romantische oder pathetische Verbrämung des Alltags. Vielmehr sollte der Zusammenhang von Arbeit und Bewusstsein, von politischen, ökonomischen, sozialen und psychischen Vorgängen nüchtern dargestellt werden.

Dementsprechend entwirft Reger am Beispiel der Stahlwerke Risch-Zander, die unschwer als Krupp-Betriebe zu entschlüsseln sind, das Panorama einer von Krisen geschüttelten Epoche. In fünf Abschnitten, die das Kaiserreich und die Novemberrevolution, die Weimarer Republik und den Ruhrkampf sowie die Öffentlichkeitsarbeit des Langnamvereins behandeln, wird die Vorgeschichte der Nazi-Herrschaft aufgerollt.

Im Mittelpunkt der Kritik steht einerseits die Zusammenarbeit von Schwerindustrie und NSDAP, andererseits aber auch das Versagen der Arbeiterschaft und ihrer Interessenvertreter. Zunehmend erweist sich die "Waffenschmiede des Reiches" als eine fatale Bewusstseins-Maschinerie, die im Verbund mit Hugenbergs Presseapparat ein Ende der parlamentarischen Verhältnisse herbeizuführen versucht. Kennzeichnend für den so inszenierten Selbstbetrug der Gesellschaft ist die "Herrschaft der Phrase", der Reger authentische Informationen entgegensetzen wollte.

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