Die Zukunft unseres liebsten Produktes

Die Automobilbranche ist für Rheinland-Pfalz von enormer Bedeutung: Rund 200 Unternehmen erwirtschaften fast ein Viertel des landesweiten Industrieumsatzes mit rund 65.000 Beschäftigten – das ist jeder vierte Arbeitsplatz in der Industrie. Digitalisierung, Nutzerverhalten und Materialentwicklung verändern das Produkt und die Funktion des Autos. Dies nahmen die ZIRP und die Technische Hochschule (TH) Bingen zum Anlass, im Rahmen der Veranstaltung „Autoland Rheinland-Pfalz: Motor für technische Innovation“ auf dem Campus der TH über die Zukunft des Autos und seiner Hersteller zu diskutieren.

„Das Automobil ist seit den Anfangstagen prägend für das Selbstverständnis unserer Hochschule“, stellte Professor Klaus Becker, Präsident der TH Bingen, fest. Seit mehr als hundert Jahren sei Fahrzeugtechnik hier ein Ausbildungsfeld. Heute sei die TH mit ihrem naturwissenschaftlichen Schwerpunkt, etwa dem Masterstudiengang Mechatronik und Automobilsysteme, ein wichtiger Hochschulstandort in Rheinland-Pfalz, wenn es um das Auto gehe.

„Die Automobilindustrie steht vor einem tiefgreifenden Wandel ihrer Produkte und das gleich in zweierlei Hinsicht“, sagte Daniela Schmitt, Staatssekretärin im Wirtschaftsministerium. Zum einen zwängen Klimawandel und Klimaschutz zu einer Energiepolitik, die Alternativen zu fossilen Brennstoffen finden will und müsse, zum anderen entstehe der Wandel aber auch aus dem Produkt selbst. „Es geht darum, das Autofahren im Interesse der Kunden immer sicherer und komfortabler zu machen.“ Für Staatssekretärin Schmitt steht fest: Das autonome Fahrzeug kann und wird ein Ergebnis dieser Entwicklung sein. Parallel zum Fahrzeug müsse sich natürlich auch die Infrastruktur entwickeln. Ladestationen für Elektroautos etwa müssen der Verbreitung von Elektrofahrzeugen vorhergehen – auch, wenn sie noch nicht ausgelastet sein können.

Über „unser liebstes Produkt: das Automobil der Zukunft“ diskutierten die Experten aus Industrie und Forschung. Zentrales Thema waren Zukunftschancen der Elektromobilität.

Paul Linhoff von der Continental AG, sah die Innovationskraft der deutschen Automobilunternehmen als den großen Vorteil im internationalen Wettbewerb. Er traut der Branche auch weiterhin die Innovationsführerschaft zu. Mit Blick etwa auf die Elektromobilität sagte Linhoff, es gebe sicher noch einige Herausforderungen zu bewältigen, das sei unumstritten. Zulieferer und Hersteller würden sich jedoch darauf einstellen und damit umgehen; das technologische Know-how sei vorhanden. „Elektromobilität ist also vor allem eine große Chance, auch weiterhin weltweit führend bei technischen Innovationen zu sein.“

Ähnlich sah dies auch Daniela Schmitt: „Das deutsche Know-how beim Motorenbau und bezüglich des gesamten Antriebsstrangs wird sicherlich noch lange Zeit weltweit nachgefragt werden. Unser gemeinsames Ziel muss es sein, dass die Wertschöpfung weiterhin in Rheinland-Pfalz, in Deutschland und nicht im Silicon Valley anfällt. Unsere Chancen hierfür sind gut, doch gilt es, diese auch beherzt zu nutzen.“

Christian Mengel, Director GME Advanced Vehicle Development & CAE der Adam Opel AG, stellte die besondere Stärke von General Motors bei der Entwicklung von Fahrzeugen und Antriebssystemen durch eine global organisierte und vollvernetzte Zusammenarbeit dar. Beste Beispiele seien die im Opel-Werk Kaiserslautern gefertigten Komponenten und Motoren, als auch der gerade auf dem Pariser Automobilsalon vorgestellte, batterieelektrische Opel Ampera-e. „Mit einer Reichweite von über 500 km (gem. NEFZ) übertrifft dieses revolutionäre, vollalltagstaugliche Elektrofahrzeug seine Mitbewerber um mindestens 100 km“, freute sich Mengel. Es sei gleichzeitig das beste Beispiel für eine gemeinsame weltweite Entwicklung.

Professor Dr. Rüdiger Tiemann, Professor für Fahrzeugtechnik an der TH Bingen mahnte, Produktionsprozess und Produkt zusammen im Blick zu haben. Auch ein Elektroauto könne nur so sauber sein, wie der zum Antrieb verwendete Strom „E-Mobilität macht keinen Sinn, wenn der Strom nicht nachhaltig – sprich umweltfreundlich – gewonnen werden kann:“ Dies sei leider in vielen Ländern nicht der Fall.

Das Automobil der Zukunft birgt großes Potenzial, das wurde in der Diskussion deutlich. Um dieses zu realisieren, so wurde auch klar, bedarf es der gemeinsamen Bemühung von Politik und Unternehmen – von Seiten des Fahrzeugs und von Seiten der Infrastruktur.

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