Nachlese: „Innovation neu denken – Soziale Innovationen im Unternehmen"
Donnerstag 13. September 2012, Mikroforum Hochtechnologiepark, Wendelsheim

Innovation ist eine der zentralen Voraussetzungen für unternehmerischen Erfolg. Dabei sollten Innovationen nicht als rein technologische oder produktorientierte Neuerungen verstanden werden. Vielmehr geht es um ein ganzheitliches Verständnis von Innovation und besonders die zunehmende Bedeutung ihrer sozialen Dimension. Welche Faktoren verändern unsere Arbeitswelt und welche Änderungen ergeben sich daraus für unsere Gesellschaft im Allgemeinen? Mit der Veranstaltung „Innovation neu denken – Soziale Innovationen im Unternehmen“ hat die Zukunftsinitiative Rheinland-Pfalz (ZIRP) in Kooperation mit der Mikroforum Hochtechnologiepark Wendelsheim GmbH diese Fragen aufgegriffen. In Vorträgen und interaktiven Workshops konnten sich die Teilnehmenden dabei sowohl aus wissenschaftlicher und unternehmerischer als auch aus gewerkschaftlicher Perspektive mit dem Thema und auseinandersetzen.

Thomas Hasselbach, MikroforumIn seiner eröffnenden Begrüßung stimmte Thomas Hasselbach, Geschäftsleitung der Mikroforum Hochtechnologiepark Wendelsheim GmbH, die Teilnehmenden bereits inhaltlich auf die Veranstaltung ein. Schon die Tatsache, dass eine Veranstaltung zur sozialen Dimension von Innovation in einem Hochtechnologiepark stattfinden kann, sei Ausdruck einer ganzheitlichen Perspektive, so Hasselbach. Der anschließende Impulsvortrag „Soziale Innovationen – Auf dem Weg zu einem neuen Innovationsverständnis“ von Prof. Dr. Jürgen Howaldt, Technische Universität Dortmund, beschäftigte sich zunächst theoretisch mit dem Begriff. Demnach wird eine Innovation zu einer sozialen Innovation, wenn sich die Neuerung „nicht im Medium technologischer Artefakte, sondern auf der Ebene sozialer Praktiken vollzieht“. Mit dem Übergang von der Industrie- zur Wissens- und Dienstleistungsgesellschaft vollziehe sich ein „Paradigmenwechsel des Innovationssystems“ infolgedessen sich das Verhältnis von technologischen und sozialen Innovationen grundlegend verändert. „An die Stelle eines stark auf die Rolle der Wissenschaft als Innovationstreiber fokussierten Modells, auf dem bis heute zahlreiche große politische Förderprogramme basieren, tritt ein Modell, in dem die Gesellschaft selbst zum Ort von Innovationen wird“, so Prof. Howaldt.

Prof. Dr. Jürgen Howaldt, Technische Universität Dortmund

Erfolgreiche Innovationsprozesse sind weniger Ergebnisse individuellen Handelns, sondern vielmehr Ensembleleistungen. Damit einhergehen die wachsende Bedeutung von Netzwerken und der Trend zu Open Innovation. So stünden soziale Innovationen angesichts globaler Herausforderungen wie dem Klimawandel oder der Frage nach der Gestaltung des gesellschaftlichen Miteinanders ebenso im Fokus wie auf der Ebene einzelner Unternehmen. Fragen der richtigen Arbeitsorganisation, eines effektiven Wissensmanagements oder etwa Maßnahmen zur Mitarbeiterzufriedenheit werden demnach zunehmend entscheidend für die unternehmerische Innovationsfähigkeit und damit für den wirtschaftlichen Erfolg. Als Beispiele für erfolgreiche und bedeutende soziale Innovationen nannte Prof. Howaldt die Etablierung der Gruppenarbeit als Arbeitsweise in den 80er und 90er Jahren sowie die Einführung der Kurzarbeit 2008/09, mit der betriebsbedingte Kündigungen verhindert werden konnten. Zum Abschluss drückte Prof. Howaldt die Hoffnung aus, dass die Bedeutung sozialer Innovationen – wenn auch nur schleichend – so doch zunehmend in Wirtschaft und Politik anerkannt werde.

Prof. Dr. Jutta Rump, Fachhochschule Ludwigshafen, Institut für Beschäftigung und Employability (IBE)

Im Anschluss an den Impulsvortrag konnten sich die Teilnehmenden mit zwei zentralen Aspekten des sozialen Innovationsbegriffs in parallel ablaufenden Panels eingehender auseinandersetzen. Zum Einstieg ins Panel „Arbeitsplatz- und Prozessgestaltung“ hielt Prof. Dr. Jutta Rump einen Vortrag mit dem Titel „Trends in der Arbeitswelt – Prozesse und Strukturen im Wandel“. Zahlreiche Faktoren verändern permanent die Art und Weise wie wir arbeiten. Für die Arbeitswelt der Zukunft sind für Prof. Rump vor allem eine weitere Flexibilisierung und Individualisierung sowie eine zunehmende Vernetzung zu erwarten. Als entscheidendes Spannungsfeld im Betrieb nimmt sie den Umgang zwischen steigendem Innovations- und Kostendruck wahr. Zu befürchten stehe zudem eine zunehmende Entgrenzung von Arbeit und Freizeit. Andererseits wird es für Unternehmen essentiell sein, dass sich die Mitarbeiter an ihrem Arbeitsplatz und in ihrer Arbeitsumgebung wohlfühlen. Denn „nur so lässt sich Motivation und Produktivität erhalten und steigern“, so Prof. Rump.

Dr. Constanze Kurz, IG-Metall Vorstand

Im Panel „Partizipation als Innovation – Rechte, Bedürfnisse und Interessen von Mitarbeitern“ hielt Dr. Constanze Kurz, IG-Metall Vorstand, den Impulsvortrag. Ihrer Kernaussage nach ist die betriebliche Mitbestimmung sowie der innovative Ausbau ernsthafter Beteiligungsmöglichkeiten für Mitarbeiter nicht nur wichtig für deren Zufriedenheit, sondern letztendlich auch mitentscheidend für den wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens.

Es folgte der Schritt von der Theorie zur Praxis: Vertreterinnen und Vertreter verschiedener Unternehmen stellten ihr Best-Practice Beispiel einer sozialen Innovationen in kurzen Vorträgen vor. Danach wurde in Kleingruppen mit den Referenten nach der Methode „World Café“ diskutiert.

Im Panel „Arbeitsplatz- und Prozessgestaltung“ referierten Jörg Castor, Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO), und Jens Eckes, Teamleiter Betriebs- und Gebäudemanagement Sparkasse Rhein-Nahe. Unter dem Stichwort „Wie werden wir in Zukunft arbeiten“ stellte Herr Castor vorausschauende Überlegungen über die Entwicklungen der Arbeitsplatzgestaltung an. Im Zentrum steht dabei die bedarfsgerechte Individualisierung nach Tätigkeiten mit dem Ziel für jede Arbeit und jeden Mitarbeiter die richtige Arbeitsfläche finden. Daran anschließend veranschaulichte Herr Eckes am Beispiel des neuen „Active Office“ der Sparkasse Rhein-Nahe in Bad Kreuznach, wie sich ein Arbeitsumfeld bereits heute bewusst gestalten lässt.

Jörg Castor, Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO)

 Jens Eckes, Teamleiter Betriebs- und Gebäudemanagement Sparkasse Rhein-Nahe

Im Panel „Partizipation als Innovation präsentierten: Thomas Hasselbach als Geschäftsführer Marketing Manufaktur GmbH zum Stichwort Eigenverantwortung und Selbstbestimmung am Beispiel einer Stellenanzeige der Marketing Manufaktur, Antje Karsch, Leiterin Kundendialog, ENTEGA Privatkunden GmbH & Co. KG zum Stichwort Mitarbeiterpartizipation und –förderung und Peter Kubitscheck, Produktionsleiter Vulkanisation und Endprüfung, Michelin Reifenwerke AG & Co. KGaA über den Wittenberg-Dialog als Beispiel einer gelebten Sozialpartnerschaft.

In ihrem Schlusswort der halbtägigen Veranstaltung fasste Heike Arend, Geschäftsführerin der ZIRP, einige der Ergebnisse der Vorträge und intensiven Diskussionen zusammen: „Als eine Gemeinsamkeit aller vorgestellten Beispiele lässt sich festhalten, dass am Anfang stets Umbrüche – ob individueller oder struktureller Art – standen. Äußere Einflüsse oder Bedürfnisse der Betroffenen haben diese Veränderungen hervorgebracht. Bei der Diskussion über Veränderungen der Ausgestaltung unserer Arbeitswelt bilden die bestehenden Rechte von Mitarbeitern stets den Ausgangspunkt. Darauf aufbauend stellt sich immer die Frage: Was ist noch möglich?“

 Arbeit in den Panels

 Publikum

 Antje Karsch, Leiterin Kundendialog, ENTEGA Privatkunden GmbH & Co. KG

Peter Kubitscheck, Produktionsleiter Vulkanisation und Endprüfung, Michelin Reifenwerke AG & Co. KGaA

 Heike Arend, Geschäftsführerin der ZIRP

Publikum im Mikroforum Wendelsheim

Fotos von Sandra Hauer, www.nahdran.com